Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871584
Fünftes Capitel. 
nicht genau festgestelltem Maße durch das Erdbeben während der Eruption 
des Vesuv, von dem Plinius redet, zertrümmert, zum größern durch die 
antiken und modernen Ausgrabungen und vor und nach ihrer WViedergeburt 
durch den nagenden Zahn der Zeit beschädigt, dem die verschleppende Hab_ 
sucht nur zu sehr zu Hilfe gekommen ist. Von allen Privathäusern Pompejis 
mit wenigen Ausnahmen stehn rlngefahr nur die Erdgeschosse, Welche in den 
beiden älteren Perioden der Stadt thgilg aus Quadern, theils aus opus incertum 
mit reichlichem Mörtel, in der römischen Zeit aus dem letztern, seltener aus 
Ziegeln oder aus gemischtem Material erbaut sind, während die leichter und 
dünner gebauten, zum Theil mit Fachwerk durchzogenen oberen Geschosse 
fast durchweg, sowie die aus Holz construirten Dachstühle fehlen, und ent- 
weder unter der Wucht der Verschüttung zusammengestürzt, oder aus der 
Versßhüttung hervorragend, im Laufe der Jahrhunderte sei es durch Men- 
schenhand, sei es durch natürliche Einflüsse verschwunden sind. Diese oberen 
Geschosse, von denen erst den neuesten Ausgrabungen gelungen ist wenig- 
stens einige Fußböden und die unteren Theile der YVände zu retten, diese 
Obergeschosse zu restauriren, würde sehr schwer sein, da sich begreiflich von 
den Holzbauten der Alten so gut wie nichts erhalten hat, Wenn uns hier nicht 
einerseits Herculaneums Ruinen zu Hilfe kämen, welche uns wenigstens 
einige Muster des Zimmerhandwerks erhalten haben, und zwar zum Theil in 
verkohlten Balken und Streben, zum Theil in Abdrücken der Holzconstruction 
in den umgebenden und jetzt erharteten Schlammströmen, und wenn nicht 
andererseits die neuesten Ausgrabungen in Pompeji diese Muster in der über- 
raschcndsten Weise vermehrt hätten. So wie seit dem Anfang der 50er Jahre 
gegraben wird, Wird Ziemlich alles Holzwerk, wenngleich natürlich verkohlt, 
gefunden; es wird gemessen und durch neu eingesetzte Stücke ersetzt, so 
dass wir es an Ort und Stelle wie am Original studiren können. Und da, wo 
dies nicht möglich, ist häufig ein Anderes möglich, der Ausguss in Gyps näm- 
lich, in welchem eine ganze Reihe von Gegenständen, Haus- und Zimmer- 
thüren, Ladenverschlüsse, Bettstellen, ja eine spanische Wand von Holz und 
gewebtem Stoff und ein Korb von feinem Weidengeflecht in dem Localmu- 
seum, wo sich auch die Leichenabgüsse und die Menschen- und Thiergerippe 
finden, aufbewahrt und dem genauesten Studium zugänglich ist. Durch diese 
Muster, auf welche später zurückgekommen werden soll, sind wir in den Stand 
gesetzt, die fehlenden, an sich einfachen Gallerien, Dächer und sonstigen 
Theile der oberen Geschosse mit Sicherheit zu reconstruiren, und in gezeich- 
Iletelä wenn allßh nicht ausgeführter Ergänzung die bedeutenderen Häuser uns 
vorzufiihren. Es ist übrigens hiebei nicht zu vergessen, dass bei weitem die 
wichtigsten Räumlichkeiten des antiken Hauses im Erdgeschosse liegen, wäh- 
rend das obere Stockwerk meistens nur kleine Schlaf- oder Esszimmer oder 
Miethswohnungen enthält, die nicht selten zu den ebenfalls vermietheten 
Läden im Erdgeschoss gehören. Da nun auch die Ornamente von Marmor 
oder Stucco größtentheils, auch wo sie nicht mehr vorhanden, doch bekannt 
sind, so vermögen wir uns ein ziemlich vollständiges Bild von dem architekto- 
nischen Gesammteindruck der pompejanischen Gebäude zu entwerfen. Von 
den öffentlichen Gebäuden stehn ebenfalls meistens nur noch die zerbrochenen
        

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