Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877315
Brunnenüguren. 
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als sie in der That sind. Nicht vertuscht werden soll, wie sehr das Bleirohr, 
welches das YVasser von hinten in den Schlauch leitet, den Eindruck der 
(lomposition beeinträchtigt. 
Neben den Personen des bakchischen Kreises eignen sich natürlich Fluss- 
götter und Quellennymphen in ganz besonderer YVeise zu Brunnenfiguren; 
auch davon bietet Pompeji ein Beispiel in der ziemlich hübsch gearbeiteten, 
auch noch in anderen Exemplaren bekannten Nymphe, welche Fig. 284 b dar- 
stelltnl); bequem auf einem Felsen sitzend scheint sich diese oberwärts 
nackte Figur die eine Sandale zu lösen, während sie behaglich auf das aus 
ihrer umgestürzten Urne ri1111ende und in dem Bassin zu ihren Füßen ge- 
sammelte YVasser blickt, bereit, demnächst badend in das kühle und klare 
Nass zu tauchen. Sinniger konnte eine Brunnenfigur kaum erfunden werden: 
es ist aber gar nicht unwahrscheinlich, dass mehr als eine Statue der im Bade 
kauernden oder eben dem Bade entstiegenen und die feuchten Haare trock- 
nenden Aphrodite in ganz ähnlicher Weise am Rande von Wasserbecken auf- 
gestellt gewesen ist. 
In einer bedeutenden Zahl anderer Brunnenfiguren wird das Motiv des 
Wasseransgießens weniger nahe begründet, so dass dieses als etwas mehr 
Zufälliges, ja zum Theil als nicht vollkommen passend erscheint. Besonders 
beliebt war es, den Wasserstrahl durch irgend ein Thier ausspeien zu lassen, 
sei es dass dieses allein stand, wie aus Pompeji z. B. ein kleiner bronzener 
Stier oder ein marmorner Löwe 223) oder die thönernen Frösche, welche in der 
Casa clel poetu tragico gefunden wurden und von denen einer bei von Rohden 
a. a. O. S. 29, Fig. 18 und 19 in doppelter Ansicht abgebildet ist, sei es dass 
dasselbe von einer menschlichen Figur gehalten wurde oder sonstwie mit der- 
selben in Zusammenhang stand. Von dieser Art sind drei der 
in der Archaeol. Zeitung a. a.  abgebildeten Gruppen und  
ist die, freilich nicht mythologisch zu benennende, zierliche   x 
Gruppe eines Knaben mit einer gefangenen Ente Fig. 286.   i" 
Dieselbe stand in der Casa della piccola fontana a musaico im (i 
Bassin des V iridariums selbst, und "das hübsche Motiv der  
Composition ist offenbar, dass der Knabe sich von seiner Ver- 
folgung des Thieres zu weit hat fortreißen lassen und nun 
sich erstaunt rings von Wasser umgeben siehtn4). J . 
Endlich haben wir auch von solchen Brunneniiguren,  
welche mit dem Wasserausgießen selbst unmittelbar nichts zu Fig 286 
thun haben, wenigstens ein mögliches, wenn auch nicht Brunnenügur. 
Sicheres Beispiel in dem meisterhaften kleinen bronzenen Faun _ 
oder Satyrn, Fig. 287, welcher der Casa clel Ezußzo den Namen gegeben hat, 
der aber, wie S. 350 schon bemerkt wurde, nicht aufgestellt am lmpluvium, 
sondern an dessen Rande, Vielleicht nur zufällig, liegend gefunden wurde. Er 
mag aber dennoch zu dem, wie a. a. O. angeführt, mit einem Springbrunnen 
Versehn gewesenen Impluvium und dessen Wasser in Beziehung gestanden 
haben, wie denn auch sonst Satyrn in ähnlicher YVeise aufgestellt wurden, 
Welche man sich im Walde lebend, an Baehesrande mit den Nymphen schä- 
kernd, zum Rauschen der Quellen ihre Flöte blasend oder unter demselben
        

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