Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877289
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Zweites Capitel. 
Die Plastik. 
sich gnädig zuhörend den an ihn gerichteten Gebeten zu neigen. In dem 
s. g. Hause der Isis und des Osiris, welches nach seinen Gemälden auch das 
Haus der 'l'änzerinnen (Casa (Zelle danzatrzicz", Plan N0. 11,) heißt, fand man in 
der Aedieula, in der auch ein kleiner Altar stand, die bronzenen Statuetten 
der beiden genannten aegyptischen Gottheiten nebst derjenigen des Harpo- 
krates mit dem Finger auf dem Munde, ein Beleg mehr dafür, wie tief der 
fremdlälndische Cult in die römische YVelt eingedrungen war. Ilansliichem 
Cultus hat wahrscheinlich ebenfalls die in Figur 283 b dargestellte kleine 
Bronzegruppe des Dionysos und eines Satyrn u") gedient, obgleich sie nicht 
in ihrer Aedicula, sondern in Leinwand gewickelt und mit anderen Gegen- 
ständen in einen kupfernen Kessel verpackt, dann aber bei der Flucht weg- 
geworfen im s. g. Hause des Pansa gefunden wurde (s. S. 328). Der Gott. den 
sein dienender Begleiter zutraulich umfasst, hat wiederum den Charakter der 
gnadig-en Bezugnahme auf die ihm Opfernden oder zu ihm Beten den, welchen 
man als den dem Cultusbilde angemessensten wird anerkennen müssen, so 
vielfache Thatsaehen im Allgemeinen und so manche aus Pompeji bekannte 
(s. den Apollon und die Artemis aus dem Apollotempel Figg.278 u. 279, die 
archaistische Artemis Fig. 281, um nur diese zu nennen), beweisen, dass auch 
solche Bilder dem Cultus gedient haben, welche sich in Situationen befinden, 
die (len Gedanken an eine unmittelbare Beziehung des Bildes zu dem anbetcn- 
den Sterblichen ausschließen. Eben dieser Umstand ist auch der Anlass, die 
wenn auch noch so kleine Liste häuslicher Cultusbilder hier zu schließen, um 
nicht als solche Statuen anzufiihren, welche sich in dieser Bestimmung weder 
durch sich selbst, noch durch die leider nur in wenigen hüllen hinreichend ge- 
nauen Plundlmerichte erweisen lassen. Der Vorrath mythologischer Bildwerke 
aber ist damit nicht erschöpft, eine größere Zahl (lerselben, als die bisher ver- 
zeichneten, diente erweislich anderen, als den bisher besprochenen Zwecken, 
und von ihnen wiederum lassen sich ziemlich viele sicher als Brunnenfigu- 
ren erweisen. Es ist schon früher (S. 242) der Brunneniiguren im Allgemeinen 
gedacht werden, zu denen von den Statuen in unseren Museen viel mehre 
gehören, als Mancher ahnen mag 221)  Eine ganze Reihe derselben ist freilich 
unverkennbar, indem sie gradezu die Brunnenmiindung selbst bilden und so 
oder so denlknsguss des YVassers vermitteln, sei es, dass sie aus Gefäßen oder 
Schläuchen den Wasserstrahl auszugießeil scheinen, oder dass ein von ihnen 
gehaltenes Thier oder auch eine Maske diesen ausspeit. Denn nur in ganz 
seltenen Fällen besorgen Brunnenfiguren dies selbst, wie z. B. der in der 
Archaeol. Zeitung von 1879 TaiÄI, N0. 5 abgebildete Satyr, welcher aus den 
gespitzten Lippen den Wasserstrahl hervorbläst, als wollte er Jemand mit 
demselben bespritzen. Eine bei diesen Statuen irgendwo, meistens sehr sinn- 
reich, angebrachte Durchbohrung, welche das VVRSSGITOhY aufzunehmen be- 
stimmt war, lasst die Gattung erkennen, zu welcher sie gehört haben; bei 
anderen aber fehlt dies sicherste Kennzeichen, welches entweder mit den 
Theilen, an denen es sich befand, verloren gegangen ist, oder auch sich 
nicht unmittelbar an der Statue selbst fand, sondern an ihrer Basis, einer 
Stiitze oder sonstwie in entfernterer Verbindung. Noch andere Statuen von 
etwas anderer Erfindung besorgten weder das Ausgießen des Wassers selbst,
        

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