Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871579
Übersicht über den Plan und die Monumente Pompej is. 
hatte man sehr dringende Veranlassung, sie gegen unberufene Liebhaber, 
besonders auch gegen die Custoden selbst und ihre Vorgesetzten (denn der 
organisirte Diebstahl soll sich unter dem Bourbonenregime in sehr vornehme 
Kreise erstreckt haben) in Sicherheit zu bringen, durch deren Hände man- 
ches kleinere Stück in den Besitz von Vornehmen und Gelehrten anderer 
Länder, manches größere und werthvolle in die Sammlungen von allerlei vor- 
nehmen Leuten in Neapel selbst gekommen ist. Endlich glaubte man der 
YVissenschaft mehr durch eine systematische Zusammenstellung, als durch ein 
Belassen der Gegenstände an ihrem Fundorte zu nützen, worüber sich aller- 
dings streiten lässt. Ob nicht der an sich ganz natürliche Wunsch, der Haupt- 
stadt auch noch den Glanz dieser Monumente zuzuführen, zu der Übersiede- 
lung von den Fundorten nach Neapel mitgewirkt habe, kann hier unerörtert 
bleiben. Genug, es ist Thatsache, dass Pompeji in den älter ausgegrabenen 
Theilen gründlich ausgeräumt ist, und dass abgesehn von unbedeutenden 
Decorationsmalereien fast nur die kahlen Häuser- und Tempelmauern zurück- 
geblieben sind. Neuerdings, und zwar schon seit etwa der Mitte der 50er 
Jahre, ist dies anders geworden; man lässt von den gefundenen Gegenständen, 
namentlich Decorationsstatuen und Gemälden, an Ort und Stelle, so viel man 
kann, und sucht es daselbst so gut es gehn will gegen Zerstörung zu sichern, 
während man nach Neapel in das Museum nur das schafft, was in Pompeji zu 
lassen Unverstand wäre, wie z. B. Kunstwerke ersten Ranges, leicht beweg- 
liche und dem Verderb ausgesetzte Gegenstände u. s. w. Mag der endliche 
Erfolg dieser Methode sein welcher er will, wir jetzt Lebenden gewinnen durch 
dieselbe unendlich und können mit derselben nur höchst zufrieden sein. Zum 
Glück sind die Fundorte fast aller Gemälde und der meisten übrigen Gegen- 
stände auch in älterer Zeit amtlich protokollirt und könnten genau genug 
bekannt sein, um sie in unserer Phantasie aus dem Museo Nazionale wieder 
an ihre alten Stellen zu schaffen,  was in den folgenden Theilen dieser Dar- 
Stellung hie und da geschehen soll  wenn die Angaben über die Fundorte 
in den alten Protokollen genauer und besonders wenn sie wissenschaftlicher 
wären, als sie es sind. Dass hiedurch einer durchgreifenden Arbeit der ange- 
deuteten Art große Schwierigkeiten entgegenstehn, soll nicht geläugnet wer- 
den; dass die Schwierigkeiten unüberwindlich seien, kann nicht zugegeben 
werden; auch gehört eine solche Arbeit, die freilich nur ein in Neapel Ange- 
siedelter oder längere Zeit daselbst Lebender machen kann, mit zu Fiorellis 
Plänen, während sie zum Theil wenigstens durch W. Helbigs Buch über die 
Wandgemälde der vom Vesuv verschütteten Städte Campaniens und nament- 
lich durch dessen topographischen Index bereits gelöst ist. Durch Eintragung 
der Notizen über die in den verschiedenen Zimmern und sonstigen Räumen 
gefundenen Gemälde, Sculpturen, wichtigeren Geräthe, Gerippe u. s. w. in 
die leeren, jetzt nur die kahlen Mauern zeigenden Räume würde Fiorellis rie- 
siger Stadtplan von Pompeji erst seinen vollen wissenschaftlichen Werth und 
ein unsäglich erhöhtes Interesse erhalten. 
Was aber die unbeweglichen Monumente, die Bauwerke und Anlagen 
betrifft, so dürfen wir uns diese insgesammt nur als Ruinen denken. Zum 
kleinem Theile sind sie durch die Verschüttung und in gewissem, aber bisher
        

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