Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877220
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Zweites Capitel. 
Die Plastik. 
mögen, deren Form aus der Erinnerung an den wirklichen Gebrauch her- 
stamme. Schon die vom Rund abweichenrle Form nicht weniger dieser 
Scheiben konnte das [rrige dieser Annahme zeigen, die wirkliche Bestimmung 
offenbart sich erstens daraus, dass sie zum Aufhängen eingerichtet sind, und ist 
zweitens aus ihrer Darstellung in anderen Kunstwerken, Reliefen und Ge- 
mälden erwiesen worden , welche sie in der That an Zweigen heiliger Bäume 
oder an Bauwerken frei schwebend aufgehängt zeigen. Es sind s. g. Oscil- 
len 212), welche zum bedeutsamen Schmuck zunächst an heiligen, in Pompeji 
aber wohl auch an profanen Gegenständen aufgehängt wurden und welche dem- 
gemäß meistens i11 den Peristylien und Viridarien gefunden werden sind, wo 
sie in den Intercolumnien des Säulenumgangs vom Arehitravbalken, vielleicht 
auch von Baumästen herabgehangen haben mögen. Reliefe von Bronze 
kommen nur als Decoration von Geräthen und Gefäßen vor und sind bei der 
Jäesprechung dieser schon erwähnt worden. 
Endlich sei der Masken gedacht, welche, abgesehn von den als Wasser- 
speier oder als Stirnziegel der Traufrinnen verwendeten oben S. 531], theils in 
symbolisch ornamentalem Sinne, z. B. an der Umfassungsmauer des Grabes 
der Mamia (oben S. 404) aufgestellt waren und welche anderntheils eine rein 
decorative und zwar sehr eigenthümlicbe Bestimmung hatten, in welcher man 
sie z. B. an dem Mosaik- und Muschelbrunnen der Uasa della primafotratana 
a musaico findet. Hier sind an den beiden Pfeilern, welche die Nische einfassen 
und ihre Wölbung tragen, zwei Masken , eine nicht naher bestimmte tragische 
und eine des Herakles mit dem Löwenfcll angebracht, deren Mund und Augen 
ganz geöffnet sind  aber nicht etwa zum Ausgießen von Wasser, sondern, so 
vermuthet man wenigstens, um das Licht von in die Masken gestellten Lampen 
herausstrahlen zu lassen. Die Richtigkeit dieser Annahme kann allerdings 
nicht verbürgt werden, allein unwahrscheinlich ist sie nicht, und diese ge- 
schmacklose Spielerei der Geschmacklosigkeit des Ganzen dieser antiken 
Rococcobrunnen durchaus würdig und angemessen. 
Um nun die pompeianer Sculpturen ihrem Gegenstandc und ihrer Be- 
stimmung nach, so weit die letztere bekannt ist, zur Übersicht zu bringen, 
wird mit den mythologischen Bildwerken am natürlichsten zu beginnen sein, 
und unter (liesen wiederum mit den Tempel- und Cultusbildern. 
Es versteht sich von selbst, dass alle Tempel und Capellen in Pompeji 
ihr (Jultusbild gehabt haben, denn ohne ein solches ist, ganz einzelne und 
besonders motivirte Ausnahmen abgerechnet, überhaupt kein antiker 'l'e1npcl 
zu denken; nachzuweisen aber vermag man von den pompejaner öffentlichen 
Cultusbilrlern nicht eben viele. Von demjenigen aus dem griechischen Tempel 
(S. 85) fehlt jede Spur; ob die schöne Büste des Zeus oder Juppiter, von 
der schon bei Besprechung des Juppitertempels  91, vgl. Anm. 38) die Rede 
gewesen, in der That demselben überhaupt Pompeji angehört, ist, wie a. a.  
bemerkt worden, zweifelhaft. Die Statue, welche in der Cella des Apollo- 
tempels doch wahrscheinlich gestanden hat, ist verloren. Aus dem Peribolos 
desselben Tempels stammen die schöne eherne Apollonstatue Fig. 279, die 
ihr entsprechende, nur zur Hälfte erhaltene Artemisstatue (Fig. 278) und die 
marmorne Aphroditestatue Fig. 280 b, denen, wie oben S. 103 (vgl- Anm. 45)
        

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