Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877171
Technisches. 
Polychromie. 
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träger, Sieger im YVettrennen neben mancherlei Porträtartigem oder Karrikir- 
tem am meisten entsprochen haben mögen. 
Von der ganz seltenen Verwendung des Tuffs und der reichlichen des 
Stueco ist im vorigen Capitel gesprochen worden; edle Metalle finden wir in 
den Producten plastischer Goldsehmiedekunst, auf welche weiterhin in einem 
eigenen Capitel über das Kunsthandwerk zurückzukommen sein wird. I)a- 
selbst soll auch ein ganz vereinzcltes Bleigefaß mit Reliefen naher erörtert 
Werden. Irgend namhafte Arbeiten künstlerischer Art in Elfenbein und 
Knochen sind aus Pompeji nicht bekannt; dagegen ist eine Merkivürtligkeit 
nach Maßgabe der Ausgrabungsberichte (Pomp. Ant. Hist. I, I, p. l86, cfr. 
Add. pars II, p. 151) am 4. März 1766 im lsistempel gefunden werden, nam- 
lich eine weibliche Statue, deren Kopf und Extremitäten von Marmor gearbeitet 
sind, und die so lagen, dass man deutlich sah, der Körper habe aus Holz be- 
standen. Das ist ein s. g. A k rolith 206), und zwar fast der einzige, von dem 
auch nur Stücke, die widerstandsfähigen Marmortheile, aus dem Alterthum 
auf uns gekommen sind. 
Von irgend welcher technischen Besonderheit in der Sculptur des Marmor-s 
in Pompeji ist nichts zu sagen, dagegen verdient allerdings hervorgehoben 
Zu werden, dass viele der in allen Perioden der Ausgrabung aufgefundenen 
MRYIIIOISIZHÜIIGII, wenn auch bei weitem nicht alle, mehr oder weniger reich- 
liche Spuren von Bemalung und von Vergoldung zeigten und zum Theil noch 
heutigen Tages deutlich erkennen lassen. Wohl das merkwürdigste Beispiel 
einer ilurchgeführteil polychromen Behandlung eines Marmorwerkes bietet 
die am 22. lllärz 1873 in einem Hause an der Strada Stabirma (Reg. I, 2, 17) 
gefundene, in der Archaeologischen Zeitung von 1881, Taf. 7 abgebildete 
Gruppe der Venus und Spes von griechischem Marmor. Die ohne die Basis 
0,90 M. hohe Göttin steht, oberwitrts nackt, das ltlimation vom linken Arme 
hinten herum über die rechte Hüfte und über die Beine gezogen, mit dem 
linken Arm auf die Spesligur gelehnt. Ihr Haar ist gelb mit einem (larin- 
liegenden weißen Bande, welches vielleicht einst rotb gefärbt gewesen ist, die 
Aügensterne sind innerhalb einer schwarzen Kreislinie graubraun mit 
schwarzer Pupille, Brauen und Wimpern schwarz, das Himation 
außen g elb wie das Haar, in beiden Fallen nicht unwahrscheinlich als Grund- 
lage von Vergeldung, das Gewand mit einem w eiß cn , vielleicht einst rosa 
gefärbten Saume, innen jetzt weiß, aber mit deutlichen Resten von blau- 
grüner Farbe in der Tiefe der Falten und von einem violetten Saume, 
3180, Wie in vielen Wandgemalden, als mit einem andern Stoffe gefüttert ge- 
dacht. Die Spes trägt einen grünen (Jhiton und eine gelbe, mit einem 
Saum von etwas verschiedenem Gelb verbrämte Chlamys (nicht Peplos) ; 
Haar und Augen nebst Brauen und WVimpern sind schwarz. An der 
Venus ist bemerkenswerther WVeise am Nackten keine Spur von Farbe I 
nur in den Nasenlöchern und im Nabel ist etwas Roth, dagegen 
nicht an den Lippenil"). Das Gleiche gilt von der Spes. Der Apfel, 
welchen die Venus in der linken Hand halt, ist gelb; das Sandalenband 
am linken, weiter aus der Geiwandung vertretenden Fuß allein sichtbar, ist 
gen) (GURU. Der Fels, auf welchem die Spes steht, ist schwarz. Die
        

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