Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877117
Dritter Abschnitt. 
Die Decoration und (ärnamentik. 
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hervorsehießen, zu denen Maiskolben (wie gleich unten), Mohn oder Granaten 
und Trauben die Vorbilder geliefert haben. Diese Arabeske an sich wird 
man gewiss (namentlich auf der hier mitgetheilten linken Seite. denn auf 
der rechten ist sie stellenweise etwas magerer) als gut erfunden und fein aus- 
geführt anerkennen dürfen, während ihr edoeh die in sie eingestreuten mannig- 
faltigen und zum Theil sehr ungeschickt ausgeführten und angebrachten 
Thiere, Hasen oder Kaninchen, Mäuse, vielerlei Vögel, Schlangen und Ei- 
dechsen, mancherlei Inseeten, Käfer, Schmetterlinge, Heuschrecken, Fliegen, 
nebst Schnecken u. dgl. durchaus nicht zu erhöhter Zier gereichen, sondern 
so verständig der Grundgedanke der Belebung solches Blatterwerks sein mag, 
als eine dürftig erfundene und zum Theil hässliche Spielerei erscheinen. 
Neben dem Marmor und verwandten Gesteinarten  oben S. 49 9) bleibt 
der Stuceo das Ilauptmaterial der Ornamentik auch in der letzten Periode; in 
dieser aber war er nicht auf die Herstellung einzelner architektonischer und 
plastischer Glieder und Schmuckstücke beschränkt wie, ahgesehn von der 
Wandbekleidung mit Marmornarwhahmnng, in der frühern Periode, sondern 
Wurde zu ganzen und ausgedehnten Decorationen verwendet, wie sie ganz 
besonders aus dem Hofe der größeren und den läaderaumen beider Thermen 
bekannt und ihres Ortes (oben S. 207 f., 222 f. und 225) näher beschrieben 
Werden sind und "wie sie sich weiter z. B. im Isistempel am s. g. Purgatxxrium 
(S. 109  aber auch an der einen und der andern Wand von Privathausern 
wiederfinden, von deren letzteren eines der schönsten Beispiele im Museum 
Zu Neapel im zweiten Saale der Ornamente aufzusuchen ist. 
YVie in diesen wesentlich malerisch gehaltenen und mit den gemalten 
übereinstimmenden Decorationen wirken auch bei den einzelnen Stuecoorna- 
menten dieser Periode an Sockeln, Einfassungen, Bekrönungen, Capitellen 
und Simsen sowie in den größeren Compositionen lebhafte Farben in ungleich 
höherem Maße mit der plastischen Gestaltung zusammen, als in den Ornament- 
gliedern (ler frühern Zeit, wie dies nicht blos aus einem Theil der auf S. 520 
abgebildeten Capitelle sondern ganz vorzüglich aus dem auf S. 268 abge- 
bildeten Sacrarium selbst in der nichtfarhigen Nachbildung ersehn werden 
kann. Die Formen selbst aber haben nicht blos an Classieität, sondern auch 
an Scharfe, Eleganz, Feinheit bedeutend verloren und sind eben so oft plump 
Wie spielend und kleinlich und viel häufiger als früher auf mechanischem 
wiege, durch Aufpressen und das Formholz hergestellt. Und auch das Material 
selbst, Obgleich dem meisten modernen Stuceo, namentlich dem in unseren 
Priwrathausern verwendeten, weit überlegen, ist in auffallendem Grade geringer 
als dasjenige der frühem Periode. Je mehr nun dieser massenhaft angewendete 
und dick aufgetragene Stucco Alles überwuchert und sich zum fast alleinigen 
Träger der Formgehung und Ornamentik aufwirft, er von dem mit dem voll- 
Sten Rechte gesagt worden ist, vdass er auf die Länge die Formen immer 
dfißloralisirea, desto gerechtfertigter ist es, wenn man von einer übermäßigen 
Tnnehewirthschaft in den letzten Zeiten Pompejis redet, wodurch man sich 
nicht braucht abhalten zu lassen gleichzeitig den aus dem Zusammenwirken 
del" Stllccoornamentik und der Farbe hervorgegangenen glänzenden und hei- 
tern Gesammteindruek. der späten pompejanischen Decoration anzuerkennen. 
Overbeek, Pompeji. 4. Anü. 34
        

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