Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877095
Dritter Abschnitt. 
Die Decoration und Ornumentik. 
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mit den Baugliedern m. 0. w. nahe verbindet und von ihren Grundformen aus- 
gehend sich bis zu m. 0. w. selbständiger Bedeutung erhebt. Es darf hierbei 
jedoch nicht unausgesprochen bleiben, dass die Geschichte der Ornamentik in 
Pompeji eine durchgreifende Bearbeitung noch nicht gefunden hat, ja dass es 
selbst an einer irgendwie übersichtlichen Zusammenstellung des Materials 
fehlt. Wenn also hier nicht eine Menge Einzelheiten erwähnt und geschildert 
werden sollen, wozu der gebotene Raum nicht ausreicht, so muss es bei wenigen 
Bemerkungen und einer allgemeinen Gegenüberstellung der älteren und der 
jüngeren Perioden sein Bewenden haben. 
Die ältere Periode, welcher die Quaderbauten aus Noceratuff und die 
älteren Bruclisteiilmauern sowie die erste und zweite Decorationsweise ange- 
hören, zeigt sich wie in diesen, so auch in der Ornamentik ernster, einfacher 
und strenger als die späteren. Sie legt ihrer ornamentalen Gestaltung von 
Thiir- und Fenstereinfassungen, Thürbekrönungen, Friesen und Simsen 
hauptsächlich die Formen des ionischen Baustiles zum Grunde oder wendet 
diese in ganzer Reinheit an, was besonders v'on den Thürbekrönungen und 
von den Gesimsen innerhalb der incrnstirten Wände gilt, welche nach dem 
Schema des ionischen Außengebälks und besonders des Gesimses mit darunter 
liegendem glattem Friese und getragen von Mutulen und Zahnschnitten ge- 
staltet sind. Als ihr Material verwendet diese Periode auch im Ornament ent- 
Weder Tuff, oder, und zwar in ganz iiberwiegendem Maße Stucco. Diesen aber 
weiß man in der ältern Zeit so zu bereiten, dass er im Material und folgeweise 
in den Formen sich, wie dies schon bei der Besprechung einzelner Beispiele. 
ulld oben in der kunstgeschichtlichen Einleitung berührt worden, bedeutend 
und sehr zu seinem Vortheile von demjenigen der spätern Periode unter- 
scheidet. Materiell ist er von der größten Feinheit und Härte und demgemäß 
lässt er sich formell mit der Feinheit und Sauberkeit behandeln, welche an 
den aus ihm hergestellten Gliederungen und Ornamenten, Eierstäben, Zahn- 
schnitten, Perlenstäben, Voluten an Capitellen, sowie an jenen zierlichen 
kleinen Nachbildungen von Tempelfacaden, mit denen das Ostium der (Jasu. 
del 112mm; geschmückt ist (oben S. 349, abgeb. bei Niccolini, Le case ecc. 
di Pompei, Casa del Fauno tav. 8), unsere volle Bewunderung erregt. Dabei 
wird dieser Stucco niemals in der Dicke und Massenhaftigkeit aufgetragen 
wie deliiellige der spätem Periode, sondern stets, wo er nicht selbständiger 
Trägßl" der Form ist, wie z. B. in Säulenüberzügen, Füllungen u. dgl. fein 
und (lünn, so dass er nichts von den Formen verhüllt, denen er lediglich 
eine edlere Oberfläche zu geben bestimmt ist, als die, welche das Baumaterial 
darbietet. In welchem Umfange die ältere Periode ihren trefflichen Stucco in 
freier Modellirung, in welchem dagegen in Anwendung mechanischer Behand- 
lung durch das Formholz oder durch Aufpressnng hölzerner Formen gestaltet 
hat, lässt sich genau noch nicht feststellen, dass jedoch bei durchlaufenden 
Ghedem, Eier- und Perlenstäben u. dgl. mechanische Mittel angewendet 
Werden sind, lässt sich gar nicht bezweifeln und an manchen Beispielen be- 
Stlmmt darthnn, während uns andererseits wiederum eine überraschend weit,- 
gehenllß freie Modellirung entgegentritt, welche aus leichten Ungleichheiten 
In wiederholten Gliedern und Ornamenten unwidersprechlich nachgewiesen
        

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