Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877088
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
specte, oder die Auflösung der ganzen Wand in solche (z. B. Zahn II, 76), 
welche zum Theil schon im Sockel beginnen, der außerdem eine Reihe gegen- 
ständlicher Darstellungen, auch menschlicher Figuren, in sich aufnimmt, von 
denen nur die Pflanzen dem dritten Stile nicht fremd sind. Auf den Haupt- 
abschnitten der Wand aber treten an die Stelle kleiner Systeme von ein paar 
Säulchen oder der kleinen Durchsichten in einen angrenzenden Raum ganze 
Gebäulichkeiten von mehren Stockwerken mit Treppen und Balconen, Bogen- 
und Säulengängen, luftigen Perspectiven. Hier lassen nun die Maler ihrer 
Phantasie Zaum und Zügel schießen, die Mannigfaltigkeit der Formen, welche 
sich kaum an irgend ein als bestimmt gedachtes Material, am meisten noch 
an durch gelbe Farbe Vergoldung andeutendes Metall knüpfen, ist unüber- 
sehbar, es ist eine Architektonik, in der sich Rohrsäulen, Festonsgebäude, 
Rankenbogen in's Schrankenlose nach allen Richtungen und in zwei- und 
dreifachen perspectivischen Durchsichten aufbauen. Der Reichthum des 
Einzelnen entsprmht dem der Hauptformen, da ist kein Pflanzenelement, 
kaum eine Thiergestalt, welche nicht benutzt würde; Geräthe und Gefäße 
aller Art und endlich menschliche Gestalten als Statuen und Statuetten be- 
handelt oder auch, was am wenigsten reinen Geschmack verräth, als Bewohner 
dieser luftigen Gebäude, müssen sich dem Ganzen einfügen, welches in leb- 
haften und bunten Farben einer ungleich reichern Scala, als in den früheren 
Stilen, wie spielend mit kecker IIand hingeworfen wird. Die Hauptflächen 
der nach oben oft mit einem buntbemalten Stuccogesims abgeschlossenen 
Wand aber zwischen diesen phantastischen Architekturen sind reichlich mit 
Bildern geschmückt; neben die Hauptgemälde in dem Mittelfelde treten auf 
den Seitenfeldern viel häufiger und in größerer Mannigfaltigkeit, als im dritten 
Stile schwebende Figuren, einzeln und in Gruppen, aber auch T afelgemälde 
auf und kleinere Darstellungen, Landschaften, Genre, Thierstücke nehmen 
die untergeordneten Stellen ein, an welchen im frühern Stile nur feinge- 
zeichnete Ornamente sich fanden. Auch hier wäre noch viel im Einzelnen zu 
sagen, wäre neben manchem Schönen auf manches Andere hinzuweisen, 
welches diesen Stil als den Beginn des Verfalls der antiken Decorationskunst 
charakterisirt. Allein der Mangel bildlicher Darstellung und die der grade 
hier besonders großen Fülle gegenüber unüberwindliche Schwierigkeit einer 
Auswahl gebietet Verzichtleistung. Während aber der dem Mau'schen Buche 
beigegebene Atlas für die drei früheren Stilarten bezeichnende Proben bietet, 
sei für den letzten Stil nur beispielsweise auf die in den Zahnschen Blättern 
II, 6, 13, 23, 24, 25, 33, 43, 44, 53, 54, 68, 73, 76, 83, 84, 89, 94 und 95 
gegebenen Proben des letzten Stils in seinen verschiedenen Abarten hin- 
gewiesen. 
Nach der Vergegenwärtigung der Gesammtdecoration pompejanischer 
Wände, welche, wie gezeigt wurde, nur in der ältesten Stilart einen plastisch- 
architektonischen Charakter trägt, während sie in den späteren in einen male- 
risch-architektonischen, dann einen malerisch-decorativen und zuletzt einen 
fast ganz malerischen übergeht, ist zur Ergänzung dessen, was im zweiten Ab- 
schnitte dieses Capitels über den Stil der eigentlichen Bauformen gesagt worden, 
noch ein Blick auf die Ürllalllentik im engem Sinne zu werfen, welche sich
        

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