Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877075
Dritter Abschnitt. 
Die Decoration und Örnamentik. 
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meistens schwarze Sockel ist mit sich durchkreuzenden feinen Linien, seltener 
mit straff gespannten Laubbändern, noch seltener mit weiter ausgeführten 
Ornamenten verziert; die auf ihm gemalten, wie aus dem Boden aufsprießen- 
den Pflanzen theilt dieser Stil mit dem vierten, niemals aber zeigt der Sockel 
dieses Stiles Marmornachahmung, welche erst im vierten, wahrscheinlich im 
Anschluss an wirkliche Marmorincrustation in reichen Häusern der letzten 
Zeit wieder aufkam. Über dem Sockel pflegt ein reich ornamentirter Streifen 
zu liegen, welcher sich ähnlich als oberer Wandabschluss wiederholt. Die 
verticale Theilung der Wand wird durch zum Theil auf's reichste ornamentirte 
Streifen bewirkt, in welchem körperliche Darstellungen mit Flächenorna- 
menten auf eigenthiimliche Art verbunden werden; schmale Wandstreifen, 
durch welche zu breite Flächen getheilt werden, zeigen diesem Stil eigene 
weiß gemalte und auf das feinste und geschmackvollste verzierte Candelaber. 
Die Seitenfelder der Wände sind mit feinen mehrfarbigen Linien oder mit 
jenen straff gespannten Laubbandern eingefasst, welche auch am Sockel er- 
Scheinen und welche, indem von ihnen äußerst fein gezeichnete Zweige und 
Kränze ausgehn, auch die Fläche der Wand überspannen, in deren Mittel- 
punkte wohl eine einzelne Figur, aber weit seltener als im vierten Stil ein 
llachgeahmtes Tafelbild angebracht ist. Unter diesen Figuren sind solche 
a-ßgyptischen Charakters im dritten Stile nicht selten. An dem obern Theile 
der Wände, wo die Vorstellung eines offenen Raumes zum Grunde liegt, finden 
sich phantastische Architekturen, welche aber, bald weiß auf rothem, bald 
blaugrau auf weißem oder gelbem Grunde, sorgfältiger gemalt sind, als in 
dem jüngsten Stile. Überhaupt ist größte Sauberkeit, Feinheit und Sorgfalt 
in allen Einzelheiten für diesen Stil charakteristisch und bildet den schärfsten 
Gegensatz gegen die auf eine malerische Gesammtwirkung abzielende flotte 
und nachlässige 'I'echnik des letzten Stiles. Indem auf eine Menge interes- 
santer Einzelheiten und Abarten, welche sich theils nicht ohne Weitläufigkeit 
erörtern, theils ohne Hilfe von Abbildungen unmöglich verständlich machen 
lassen, verzichtet werden muss, sei nur noch bemerkt, dass auch in den Haupt- 
bildern, und zwar sowohl ihrem Gegenstande wie auch ihrer Behandlung nach, 
der dritte Stil sich von dem vierten sehr bestimmt unterscheidet, worauf bei 
der Betrachtung der Malerei zurückgekommen werden soll. Als die Zeit, in 
welcher der dritte Stil herrschte, lasst sich mit ziemlicher Bestimmtheit und 
Genauigkeit das erste halbe Jahrhundert unserer Zeitrechnung bezeichnen. 
Der jüngste Stil endlich, welcher zugleich als der Haupttrager der eigent- 
lichen, erst in einem spätern Capitel näher zu besprechenden Wandmalerei 
erscheint, setzt an die Stelle der verhältnissmäßigen Einfachheit des dritten 
eine iiberwuchernd reiche Entwickelung phantastischer Architekturen, welche 
allerdings an Vorbilder ankniipft, welche einzeln der zweite Stil darbietet, 
aber diese ohne Rücksicht auf structive Möglichkeit und auf die Herstellung 
bestimmter, in sich zusamnienhangender Bauformen umgestaltet. Die An- 
Ordnung der Wand, welche dem zweiten und dritten Stil eigen ist, die Drei- 
tlleilllllg mit dem pavillonartigen Mittelbau, wird nicht ganz aufgegeben, aber 
das Charakteristische Motiv des vierten Stiles ist die Durchbrechung der ganzen 
lvand dllfßll zwischen die Hauptfelder eingeschobene architektonische Pro-
        

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