Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877053
Dritter Abschnitt. 
Die Decoration und Ornamentik. 
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vorspringenden Theile perspectivisch und durch Licht und Schatten und giebt 
jedem Theile sein bestimmtes Verhältniss zu dem architektonischen Ganzen. 
Er steht also mitten zwischen dem ersten Stile, welcher die architektonische 
Ürnamentik in plastischer Wirklichkeit darstellt und den späteren Stilarten, 
welche die Wand als solche decoriren, jedoch zeigt er mehre Entwickelungs- 
stufen, welche sicher principiell, wahrscheinlich auch zeitlich auf einander 
gefolgt Sind. Auf der ersten Stufe, für welche die Casa del Laberivzto (oben 
S. 342) das beste Muster bietet, ahmt dieser Stil eben so wie der erste die 
Incrustation der Wände mit Marmor nach, allein nicht mehr 
plas ti s ch, sondern le di gl ich durch M a1 erei; dies bezieht sich sowohl 
auf den Sockel und die Quadern der Wand mit dem sie umgebenden glatten 
Streifen, über welchen die Mitte durch Schattenlinien als erhoben gebildet 
ist, wie auf das charakteristische Gesims oberhalb der Quaderlagen und alle 
sonstige Gliederung der Wandilächen. Oberhalb des Gesimses setzt sich die 
Wand theils in liegenden Rechtecken (Marmortafeln nachahmend) fort, theils 
Zeigt sie einheitliche größere Flächen, an welche verschiedene weitere Modi- 
ficationen anknüpfen. Ein wesentliches Merkmal dieses Stiles besteht darin, 
dass man, um den engen Raum der Zimmer scheinbar zu erweitern, Säulen 
Oder Pilaster auf die Wände malt, und zwar so, dass sie entweder (seltener) 
auf dem Fußboden oder (gewöhnlich) auf dem perspectivisch vorspringenden 
Sockelstreifen aufsetzen. und bis zur Decke emporragen, unter welcher 
sie das Epistyl tragen. Da sie nun in der Fläche der Wand liegen, so soll die 
zwischen ihnen gemalte Wand als hinter ihnen zurücktretend erscheinen. So 
große Sorgfalt aber auch auf eben diese perspectivische Wirkung gelegt ist, 
S0 wenigdist sie irgendwo streng richtig durchgeführt, noch war dies bei den 
wechselnden Gesichtspunkten des Beschauers möglich. Die Fietion der hinter 
den Säulen in größerer Tiefesich hinziehenden Wand führt dann dazu, dass, 
während zwischen den Säulen vielfach Guirlanden wie frei schwebend auf- 
gehängt werden, das den nntern Wandtheil abschließende Gesims hinter ihnen 
fortlaufend gemalt wird. Auf dem untern, auf diese Weise selbständig ge- 
wordenen Wandabschnitte werden nun entweder die Incrustationsplatten des 
ersten Stiles beibehalten oder diese Tafeln weichen einheitlichen und ein- 
farbigen Wandflächen, welche die Aufnahme von Bildern an diesen Stellen 
vorbereiten, während der obere Wandabschnitt entweder als eine abermals 
entfernter liegende Wand oder eine dahinterliegende, theilweise recht weit 
ausgeführte Architektur behandelt oder endlich himmelblau gefärbt wird, so 
dass es scheinen soll, die Wand erhebe sich nur bis zum Gesims und oberhalb 
desselben sehe man in's Freie. 
Durch diese Behandlung der Wandflächen innerhalb der architektonischen 
Gesammtdarstellung, deren verschiedene Abwandelungen hier nicht weiter 
Verfolgt werden können . bahnt sich dann endlich auch die Wiederaufnahme 
der durch den ersten Stil verdrängten Gemälde in den Wandschmuck an. Es 
lSt 8111. erster Schritt, wenn auf dem Abschluss des untern Wandabschnittes 
VerSßhledene Gegenstände : Masken, Gefäße, kleine Tafelbilder als aufgestellt 
gemalt werden, ein weiterer, wenn, in nicht eben zahlreichen Fällen, der obere 
Abschnitt von einer Landschaft mit Staffage, auf die man gleichsam hinaus-
        

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