Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877042
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Capitel. 
Erstes 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
Sockel beginnt, über welchem mehre Lagen VOIl quaderartig behandelten, zu 
unterst größeren, zu oberst kleineren Rechtecken folgen. Diese bedecken 
jedoch selten die ganze Wand, meistens nur deren untere ungefähre Hälfte 
und werden durch das für diesen Stil ganz besonders charakteristische Stucco- 
gesims mit Zahnschnitt bekrönt, auf Welches schon mehrfach in der Beschrei- 
bung der Häuser aufmerksam gemacht worden ist und das in Stein ausgeführt 
als Bekrönung der Thüren der größeren Thermen an dem Vico (Zelle terme 
Stabiane sowie sonst noch in einzelnen Beispielen aus derselben Periode wieder- 
kehrt. Oberhalb dieses Gesimses bildet die Wand entweder eine nur mit 
gröberem Stucco überzogene weiße Fläche oder sie ist doch nur durch ver- 
schiedene Farben felderweise, aber nicht mehr in Quadernachahmung ein- 
getheilt und wird endlich zu oberst durch ein schmales und einfach gegliedertes 
Gesims abgeschlossen. In vielen Fällen, aber nicht immer, ist die WVand durch 
Pilaster oder Halbsäulen gegliedert; es verdient hervorgehoben zu werden, 
dass wo dies der Fall ist, wohl die ilachgeahmten Quadern, niemals aber die 
Gesimse bis an diese Pilaster hinangeführt sind, vielmehr kurz vor ihnen mit 
Wiederholung ihres Profils an den Enden abbrechen. Dasselbe ist neben Thür- 
gewänden der Fall; die Nachahmung einer mit dem Gesims abschließenden 
Mauer ist also nicht rein durchgeführt. Eben so wenig ist dies die Nachahmung 
der Quadern, indem zwischen diese trennende Glieder eingeschoben und die 
Stuekmarmorplatte mit andersfarbigen Rändern umgeben wird. 
Größere Gemälde, welche in mehren der späteren Stilarten den Mittel- 
punkt des ganzen Wandschmuckes bilden, sind von dieser Decorationsweise 
gänzlich ausgeschlossen; durch Malerei sind nur kleine Zwischenglieder aus- 
gedrückt und außerdem finden sich, nicht häufig, auf einzelnen Platten ein- 
farbige Darstellungen, welche zum Theil wie Naturspiele des Marmorgeäders 
aussehn sollen, zum Theil enkaustische Marrnormalerei nachahmen. Um so 
unzweifelhafter ist es, dass die malerischen (Mosaik-) Darstellungen in den 
Fußböden mit dieser Decorationsweise zusammenhängen und mit ihr gleichzeitig 
sind (s. oben S. 495). Die malerische Decoration in älterer Zeit ist offenbar durch 
die prachtvolle Marmoriilcrustation der hellenistischen Periode von den WVänden 
auf die Fußböden verdrängt und hier durch das in eben dieser Periode er- 
fundene Mosaik in dauerhafter Weise festgehalten worden. 
Die Decorationsweise des ersten Stils tritt uns als eine durch lange Übung 
ausgebildete Decorationskunst entgegen, welche, ihres Grundmotivs bewusst, 
dieses nicht in sclavischer Nachahmung wiedergiebt, sondern den Anforderun- 
gen des eigenen Materials gerecht wird und sich mit mancherlei Modificationen 
den zu schmückenden Räumen anzupassen weiß, wobei jedoch in der Wahl 
der Farben immer die Grenze dessen eingehalten wird, was mit den in Marmor 
vorkommenden wenigstens eine gewisse Ähnlichkeit hat, weswegen sich die 
Farbenscala hauptsächlich von Schwarz durch Violet, Grün, Roth, Gelb und 
verschiedene Marmorirung bewegt,ßlau dagegen so gut wie völlig ausschließt. 
Der Zweite Oder nArchitekturstila kann im Allgemeinen dahin charak- 
terisirt werden, dass er die Wand nicht ornamentirt, sondern zum Feld einer 
Darstellung architektonischer Art macht; er zerfallt sie daher in mehre, in 
verschiedener Tiefe liegende Flächen der gemalten Architektur, behandelt die
        

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