Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871556
Ändeutungen über die Geschichte der WViederexltdeckung Pompejis. 
worfen sind, kann Niemand sagen, obgleich uns die neuesten Ausgrabungen 
schließen lassen, dass Vieles und Bedeutendes früher zu Grunde gerichtet 
worden sein muss. Dazu kommt, dass man den ausgegrabenen Schutt theils 
innerhalb der Stadt selbst, z. B. in der Gegend am Stabianer Thor, Wieder 
ablud, theils unmittelbar vor der Stadt aufwarf und damit jene Schutthügel 
herstellte, welche jetzt den Anblick derselben von außen verhiillen, und die 
wegzuschaffen, was geschehen muss und wird, neue Arbeit, Zeit und Geld 
kostet. Wie wenig sorgfältig man die Sache behandelte, zeigt unter Anderem 
der Umstand, dass noch vor wenigen Jahren in dem weggeworfenen Schutteine 
der schönsten Gemmen, welche das Museum von Neapel besitzt, hat gefunden 
werden können. Mit abnehmender Anstrengung arbeitete man in dieser Weise 
bis um die Mitte der dreißiger Jahre fort, und brachte außer den kleineren 
Thermen (1824) und dem Tempel der Fortuna (1825) wesentlich nur Privat- 
häuser zum Vorschein. Seit der Zeit bis auf die unsere erkaltete der Eifer 
immer mehr, und obwohl in der zweiten Hälfte der dreißiger und in den vier- 
ziger Jahren mancher hochwichtige Fund gemacht, manche Aufklärung über 
den Gesamrntplan der Stadt gewonnen wurde, obgleich ferner jährlich 7000 
Ducati : 24,600 M. angewiesen waren, so waren doch die Ausgrabungen fast 
nur zu Festlichkeiten geworden, mit denen man die Anwesenheit vornehmer 
Gäste zu feiern pflegte, so dass Reisende in den 30er bis 40er Jahren meistens 
nicht eine Hacke oder Schaufel in Thätigkeit fanden. 
In neuester Zeit ist dies anders und unendlich besser geworden, und 
namentlich seit 1861 und seitdem Fiorelli an der Spitze der Ausgrabungen 
stand, ein Mann, der besser gar nicht gewählt werden konnte, datirt eine neue 
Epoche der Ausgrabungen, von denen in ihrem gegenwärtigen Betriebe die 
hier beigegebene, am 5. Mai 1873 eigens für diesen Zweck photographisch 
aufgenommene Ansicht auch demjenigen, der nie an Ort und Stelle War, eine 
in der Hauptsache klare und vollständige Anschauung wird vermitteln können. 
Nicht etwa als würden dieselben nun in Hast rund Eile betrieben und gingen 
mit Riesenschritten vorwärts, im Gegentheil, sie werden mit eben so viel 
Besonnenheit und Vorsicht wie warmem Eifer fortgesetzt. Was die jetzige, in 
der Hauptsache übrigens schon seit 1852, unbekannt durch wen 17), eingeführte 
Methode vor der friihern auszeichnet, ist, dass durch sie möglichst WVeniges 
zerstört, möglichst Vieles gewonnen und erhalten wird. Man gräbt nicht mehr 
in verticalen, sondern wie das auch in der Ansicht erkennbar ist, von der 
Oberfläche aus in horizontalen Schichten, und der Erfolg davon ist, dass Alles 
was man findet seine Unterlage und Unterstützung behält, bis man zu seiner 
Erhaltung oder Erneuerung (bei Holzwerk, Dächern, Baleonen u. s. w.) gethan 
hat, was nöthig und möglich ist. So und nur so haben jene Balcone oder Erker 
conservirt werden können, auf die wir zurückkommen, so Treppen und an- 
deres Holzwerk, Hausbedachungen, Fußböden u. s. w. So hat man schon 
1852 einen Theil eines Daches wenigstens auf so lange Zeit zu erhalten ver- 
mocht, dass es hat gezeichnet werden können (s. unten Cap. IV), während ES 
den Ausgrabungen des Jahres 1866 gelungen ist, die Eckpartie der Bedachung 
eines Peristyls (in der domus O. Vibii, Plan 72 s. unten a. a. O.) vollkommen 
zu retten und sein gesammtes Balkenwerk zu restauriren. 'Bei der frühern
        

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