Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1877031
Dritter Abschnitt. 
Die Decoration und Ornamentik. 
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gleichartig erscheinen, wer auch nur etwas genauer zusieht und prüft, wird 
sich der durchgreifendsten Verschiedenheiten und unschwer auch dessen 
bewusst werden, dass in denselben Älteres und Jiingeres vorliegt, wenngleich 
man nicht im Stande ist, so ohne Weiteres die historische Abfolge der einzel- 
nen Decorationsweisen zu erkennen und festzustellen. Dies in umfassender 
Scharfsinniger und überzeugender Weise gethan zu haben, ist das Verdienst 
von A. Mau 205), dessen Ergebnisse daher im Folgenden, so gut es ohne auf zu 
viel Einzelheiten einzugehn und ohne die Unterstützung von Abbildungen 
möglich ist, zusammengefasst werden sollen. 
Von der Decorationsweise der ältesten Periode (nKalksteinatriena) können 
wir uns keine Vorstellung machen, es ist von ihr Nachweisbares nicht erhalten; 
chronologisch feststellbar ist nur diejenige der beiden letzten Jahrhunderte 
Pompejis. Der älteste Stil wird als solcher zunächst dadurch bestimmt dass er 
sich im Innern der Basilika findet, auf deren Wand, wie schon früher (oben 
S. 149) bemerkt worden, eine aus dem Jahre Roms 676"  78 v. u. Z.) stam- 
mende Inschrift eingekratzt ist. Allein dieser Anhalt ist deswegen ungenügend, 
weil sich aus ihm nicht ableiten lässt, wie viel älter die Decoration der Basilika 
und alles das sei, was mit ihr im System übereinstimmt. Weiter fuhrt die 
Thatsache, dass sich die Decoration dieses Stiles fast ausschließlich in Bau- 
werken aus der iflluifperiodea findet, mit deren architektonischen Merkmalen, 
den Quaderfacaden mit Fugenschnitt (oben S. 502) und den Zahnschnitt- 
gesimsen die in Rede stehende Decoration im unlöslichen Zusammenhange 
steht. Wenn nun die Tuffperiode, wie früher bemerkt, der langen Friedens- 
zeit zwischen dem hannibalischen und dem Bundesgenossenkrieg entspricht, 
S0 werden wir das zweite und den Anfang des ersten Jahrhunderts v. u. Z. als 
die Zeit des ersten Decorationsstils betrachten dürfen, dessen besterlialtene 
Muster uns außer der Basilika die Oasa di Sallustio und die Casa clel Fauna 
(Vgl. oben S. 301 f. und 347 f.) bieten, während sich mehr oder weniger be- 
deutende Überbleibsel in nicht wenigen anderen Gebäuden finden, welche 
beweisen, dass diese Decoration einstmals weit verbreitet war, abervon jüngeren 
Decorationsweisen verdrängt worden ist, und zwar an nicht wenigen Stellen 
in der Art, dass man deutlich die historische Abfolge zu erkennen vermag. 
Diese älteste Decorationsweise (erster oder nlncrustationsstila) besteht in einer 
Plastisch in Stucco ausgeführten Nachahmung der Wandbekleidung 
mit Tafeln mehrfarbigen Marmors, deren Vorbilder man aller Wahr- 
scheinlichkeit nach in Alexandria zu suchen und bis in das 3. Jahrhundert 
hinaufzudatiren haben wird. Denn in Italien war um diese Zeit die In- 
crustation der Wände mit wirklichem Marmor noch nicht eingeführt und 
wurde, wie ebenfalls schon früher bemerkt (oben S. 250), in Rom zuerst von 
Mamurra, dem Zeitgenossen Caesars, etwa ein Menschenalter nach dem in 
der Basilika angeschriebenen Datum angewendet. Eine Schilderung dieser 
Decoration im Einzelnen würde hier zu weit fuhren; es sei daher nur im 
Allgemeinen bemerkt, dass dieselbe, wie sie sich am besten erhalten und am 
strengsten durchgeführt in dem ursprünglichen Theile der Uasa di Sallustio 
(Oben S- 301) vorfindet, zu unterst mit einem in diesem Stile stets heller, 
alS die über ihm liegenden Mauertbeile gehaltenen, meistens ganz glatten
        

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