Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876986
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
Eleganz, so dass man einen Sinn für einen harmonischen Gesammteindruck 
bei dem Baumeister erkennt. Dass hier aber Wiederum der Fries wie beim 
Forum der Architrav fehlt, ist eben so wenig zu loben; dass sich das Dach 
unmittelbar auf den Architravbalken legt, bringt ein gedrücktes Aussehn her- 
vor. Die ursprünglich aus Tuff gehauenen, leichten Capitelle sind durch 
Tiinche in einer nur bei Mazois überlieferten Weise nicht zu ihrem Vortheil 
umgestaltet. Über die Colonnade, Welche die Palaestra der Stabianer Thermen 
umgiebt (s. oben S. 220) ist kein Urteil möglich, da sie nur in ihrer letzten 
Umgestaltung und Entstellung auf uns gekommen ist (oben S. 218  Die 
dorischen Säulen, welche zwei Seiten des Hofs der, wie S. 201 bemerkt, aus 
der Zeit der sullanischen Colonie stammenden kleineren Thermen umgeben, 
sind bereits wie die neuen Säulen des Forums ohne Cannellirung. Der zwei- 
farbige Anstrich, welcher sie ihrer Höhe nach halbirt, wird dagegen der letzten 
Periode zuzuschreiben sein. Uncannellirt ist auch noch die aus der Zeit des 
Augustus stammende ionische Säule mit der Sonnenuhr im Apollotempel 
(s. oben S. 101), was hier beiläufig bemerkt werden möge, und sind mehrfach 
die dorischen Peristylsäulen in Privathäusern. Dagegen kommen dorische 
Säulen mit Basen noch durchaus nicht vor. 
Ein besonderes Interesse bieten die vierzehn Säulen, welche das Peristyl 
in der aus der römischen Zeit stammenden sogenannten Villa des Diomedes 
umgeben (F ig. 268 d, vgl. oben S. 369 H1), indem sie in ihren Capitellen und 
Gebälken die Gliederschemata plastisch ausgeführt zeigen, welche den Glie- 
dern zum Grunde liegen und meistens nur mit Farbe in leichten Umrissen 
auf dem glatten Kern angegeben sind. Wenn dies einerseits ein nicht unwich- 
tiges Beispiel der Dauer älterer Tradition ist, so darf doch auch nicht verkannt 
werden, dass das Bewusstsein der Bedeutung der Ornamente nicht mehr leben- 
dig war, so dass zwar das Ornament des Echinus und der Sima, der s. g. Eier- 
stab (Blätterkyma), richtig und am richtigen Orte ist, während das Ornament 
der Plinthe ohne Analogie und Verständniss erscheint. Dazu kommt, dass die 
Cannellur zwischen den Hohlkehlen Stege stehn lässt, was den beiden jüngeren 
Ordnungen, nicht aber der dorischen zukommt. 
Außer zu Gebäuden scheint die dorische Ordnung selten verwandt worden 
zu sein, die Grabmäler und die Geräthe wie Candelaber u. dgl. gehn in ihrer 
Formgebung von anderen Ordnungen aus; einen wie schönen Dorismus man 
aber gelegentlich doch außerhalb der Säulenbauten findet, zeigt der oben 
(S. 112, Fig. 63) abgebildete Altar des Tempels der capitolinischen Gottheiten, 
welcher, herstammend aus der Zeit der sullanischen Colonie (s. oben S. 111). 
dem berühmten Grabmal des Lucius Cornelius Scipio Barbatus im V atican an 
die Seite gestellt werden kann. 
Die ionische Ordnung ist am seltensten in Pompeji und findet sich in 
ihrer ganzen Reinheit und dem Reichthum ihrer Gliederung, in welchem sie 
in den Monumenten der Blüthezeit Griechenlands uns entgegentritt, nicht ein 
einziges Mal. Das vergleichsweise vorzüglichste Monument linden wir auch 
hier wie bei der dorischen Ordnung wieder in einem der ältesten Bauten, der 
Vorhalle des Forum triangulare, von der in ihrem gegenwärtigen Zustande die 
der Seite 77 vorgeheftete Abbildung eine Ansicht giebt. Diese Halle zeichnet
        

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