Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876959
Zweiter Abschnitt. 
Stil und künstlerischer Werth der Bauwerke in Pompeji. 
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selbst im Verhältniss zu dem leichten Gebälk mit etwas zu Wenig Ausladung 
straff zur dünnen Plinthe aufsteigt, eine Form, welche durch das nicht sehr 
widerstandsfähige Material wenn auch nicht bedingt, so doch wohl veranlasst 
worden ist. Dem Schein der Leichtigkeit zu Liebe ist der Epistyl(Architrav)- 
balken in nicht ganz stilgerechter Weise der Länge nach in zwei gleiche 
Hälften zerschnitten, von denen die untere um ein geringes zurückliegt. Die 
in gutem Verhältniss ausladende Dachschräge (Geison) ist einfach, aber nicht 
makellos profilirt. Die Streben des Daches ruhten auf ihr und in der Hinter- 
mauer einfach auf, eine Construction, welcher das Umstiirzen der Säulen beim 
Erdbeben wesentlich mit zur Last fällt. Die einzelnen Blöcke des Gebälkes 
Waren, wie sich aus der Abbildung Fig. 268 a erkennen lässt, im Innern durch 
eine durchgehende hochkantig gestellte hölzerne Bohle unter einander ver- 
bunden, wodurch ihre Tragfähigkeit vergrößert wurde. 
Über den Dorismus der Palaestra (vgl. die Abbildung zu S. 151) lässt 
sich nur unvollständig urteilen, da das Gebälk verloren ist, und die Elemente 
nicht bekannt sind, auf denen Mazois" Reconstruction (III, 11) mit zerschnit- 
tenem Architrav und ohne Fries beruht. Nur das ist gewiss, dass die Säulen 
(von 73,14 u. D.) unverhältnissmäßig schlank und die Intercolumnien (von fast 
5 u. D., Säulen 0,40 M., Intercolumnien 2,31  zu weit sind, so dass lange 
nicht der harmonische Eindruck entsteht, den die Colonnade des Forum trian- 
gulare macht. Die Uapitelle sind auch hier schwächlich, die Plinthen leicht, 
aber stark ausladend. 
Die an der Südseite erhaltenen Theile der ältern Colonnade des Forum 
civile (Fig. 268 b, vgl. Fig.  welche nach der bereits lateinisch gefassten 
Erbauungsinschrift der Spätzeit der oskischen Periode Pompejis angehört 
(Vgl. oben S. 64  erscheinen, so wie sie jetzt zum Theil wieder aufgerichtet 
Sind und wie sie Fig. 269 in einer nach photographischer Aufnahme gezeich- 
neten Probe darstellt, in den genau 5 untere Durchmesser hohen, 3 u. D. von 
einander entfernt stehenden ganz cannellirten Säulen nicht ohne Wurde und 
Kraft, aber wiederum mit zu schwächlichen Capitellen ausgestattet und im 
Gebälk, auch wenn man dasselbe als Zwischengebälk betrachtet (s. oben S. 65) 
dadurch fehlerhaft, dass der Architravbalken fast ganz unterdrückt und ihm 
gegenüber Fries und Krönung schwerfällig ist. Über die Construction dieses 
Gebalks mit der untergelegten Holzbohle sowie über die wahrscheinliche 
Farbenausstattung desselben ist a. a. O. gesprochen worden. Interessant ist 
es, mit den ursprünglichen Säulen an der Südseite die der Restauration nach 
dem Erdbeben angehörenden an der WVestseite zu vergleichen, von denen, wie 
sie ebenfalls in neuerer Zeit zum Theil wieder aufgerichtet sind, Fig. 270 
nach photographischer Aufnahme eine Probe giebt (vgl. oben S. 73). Sie 
Sind aus weißem Travertin erbaut und schließen sich in ihren Ausmessungen 
natürlich den vorbildlichen älteren an, doch sind sie gänzlich uncannellirt und 
ES lässt sich kaum bezweifeln, dass sie später so geblieben wären, wenn nicht 
die Verschiittuiig die Arbeit unterbrochen hätte. Denn erstens ist auch der 
Fries ungegliedert und ohne die Abwechselung von Triglyphen und Metopen, 
Welche die älteren Friesstücke zeigen, und zweitens ist die Cannellur auch am 
Hälse nicht angelegt, wie dies bei dem Aufbau der Säulen zu geschehn pflegte, 
Ovnbaßk- Pompeji. 4.Auf1. 33
        

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