Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876938
Zweiter Abschnitt. 
Stil und künstlerischer Werth der Bauwerke in Pompeji. 
aussehn sollende Rustica, wie an manchen modernen Bauwerken, behandelt ist. 
So gut wie durch unvollständige Cannellirung der Begriff der Säulenfunction, 
wird hierdurch der Begriff der Wandfunction, das Umhegen und Umschließen, 
getrübt, abgesehn davon, dass in Quaderbauten, die doch nachgebildet sind, 
Niemand so etwas machen könnte. Finden sich diese und eine Reihe anderer, 
scheinbar kleinerer, aber aus derselben Quelle, der Principlosigkeit, fließender 
Fehler, welche übrigens nur Fachkenner würdigen könnten und die deshalb 
übergangen werden sollen, in öffentlichen Bauten, so ist begreiflicher Weise 
die Regellosigkeit in den Privatbauten noch viel bedeutender und steigert sich 
zu völliger Geschmacklosigkeit, wie z. B. der Bekleidung von Säulen und 
Pfeilern mit Mosaik oder in ihrer Bemalung mit einem schuppenförmigen 
vielfarbigen Ornament oder in Herstellung von Dingen, wie die Mosaikbrunnen 
in den nach diesen Brunnen genannten Häusern (Oase della prima e seconda 
_fontana a nzusaico, oder in der Oase olel gmnduca oder derjenigen di Lucrezio 
und anderen). 
Gegenüber diesen Ausstellungen dürfte es nun aber am Orte sein, mit 
besonderem Nachdruck dessen zu gedenken, was den Architekten Pompejis 
zu unvergänglichem Ruhme gereichen wird, nämlich die bewunderungswürdig 
malerische Anlage der Privathäuser und zwar nicht am wenigsten derjenigen 
der letzten Periode. In der That kann man sich nicht leicht etwas Reizenderes 
und Anmuthigeres denken, als die perspectivischen Durchsichten dieser W011- 
nungen vom Hausüur durch die Atrien, Tablinen, Peristylien und Xysten mit 
dem Schmuck der Säulen, der farbigen Wände, der rnarmornen Tische, Spring- 
brunncn, Piscinen, Brunnennischen. Und wenn diese inneren Ansichten in 
ihrer Mehrzahl noch jetzt im höchsten Grade mannigfaltig, reich ohne Über- 
ladung. farbig ohne Buntheit sind, so müssen sie im Alterthum noch ungleich 
lebhafter und reicher gewirkt haben, als jetzt, wo alle Räume der fehlenden 
Decken wegen im gleichmäßig hellen Lichte daliegen. Freilich haben im 
Alterthum geschlossene Thüren oder Vorhänge den Blick vielfach beschränkt; 
allein wenn man sich diese Thüren oder Vorhänge im Tablinum geöffnet 
denkt und nun im Geiste aus dem halbschattigen Atrium durch das bedeckte 
Tablinum hinausschaut in das lichte Peristylium mit den grüuendeil und 
blühenden Gärten, den springenden und fließenden Wassern, den luftigen, 
farbigen Süulengängen, dem gelegentlichen Schmuck plastischer Decorationen 
und zierlicher Mobilien, so ergiebt sich ein Ganzes nicht allein von der rei- 
zendsten und behaglichsten WVohnlichkeit für das südliche Klima, sondern 
von wahrhaft künstlerischer Schönheit und Harmonie. 
Wenden wir uns nun von den Bauten der letzten Periode denjenigen der 
früheren Zeiten und ihrer Fortsetzung im augusteischen Zeitalter zu, so wird 
es erlaubt sein, von den altclassischen Ordnungen, der dorischen, ionischen 
und korinthischen auszugehn und deren Modiiicationen in Pompeji ins Auge 
zu fassen 
 Es zeugt von gutemTireschmack und richtigem Gefühl, dass in der Tuff- 
Perlßde die einfache dorisohe Ordnung wenn nicht durchgängig, so doch ganz 
überwiegend zür Herstellung der Säulengänge um die großen Plätze und Hallen 
Verwendet iSt. Dorisch ist die Colonnade des Forum triangulare, des P0111111
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.