Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876886
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
große Billigkeit des Holzes schließen lassen, stimmen damit überein, dass 
Italien noch zur Zeit des Augustus ausgedehnte und prächtige WValdungen 
besaß, aus denen das viele und starke Langholz entnommen werden konnte, 
welches zu diesen Decken und zu den Architravbalken über den 'l'ablinum- 
und Ladenöifnungen nöthig war, welche nicht selten bis zu 5 M. Spannweite 
zeigen. Nichts desto weniger kann man auch an den "Bauten Pompejis die all- 
mähliche Abnahme des Holzreichthums gar wohl verfolgen. Es ist schon oben 
(S. 258) darauf hingewiesen werden, dass die Einführung der Säulen in die 
Atrien nicht sowohl als eine Verschönerung betrachtet wurde, sondern darauf 
beruht, dass es bei der fortschreitenden Entwaldung Italiens immer schwerer 
werden mochte, sich so schwere und starke Balken zu verschaffen, wie sie für 
das tuscanische Atrium nöthig waren. Sehr deutlich weist auf denselben Urn- 
stand ein durch die sorgfältigen Untersuchungen des Architekten Ruggiero 
nachgewiesenes Verfahren hin, durch welches man in dem römischen Pompeji 
die Anwendung ganzer Balken von den angedeuteten Maßen zu umgehn und 
eine bedeutende Holzersparniss mit fester Construction zu verbinden wusste. 
Die Balken bestanden eben nicht aus einem Stück, sondern waren aus zwei 
hochkantig gestellten Bohlen (a) vorn und hinten und aus einer darunter 
liegenden wagrechten Bohle (b) so etwa zusammengesetzt, wie es die folgende 
Skizze eines Durchschnitts Fig. 265 zeigt. Das Innere des so zusamme11- 
gesetzten, eben so wohlfeilen wie starken Balkens wurde mit Mauerwerk in 
 gu. nenuerue -eene11 eaeJezau 1e- 
w  ß selbe Weise mit dem besten Erfolge. Von Holz bildete man 
 l ferner die zum T heil ausgedehnten Gallerien, von denen das 
 E 5.7  bedeutendste öffentliche Beispiel in der Gladiatoreneaserne, 
Däiäsggrölitt sehr ansehnliche aber auch in den Peristylen mancher Privat- 
eines Balken häuser zu finden sind. Von Holz waren meistens in den 
Hausern und in einigen öffentlichen Gebäuden die Treppen 
bis auf die in der Regel von Stein gearbeiteten untersten Stufen, welche viel- 
fach den sichersten Anhalt zum Nachweis des Vorhandengewesenseins des 
Ortes und der Beschaffenheit der Treppen bieten ; sodann die Thüren, wenig- 
stens ständig in Privathäusern, meistens aber auch in öffentlichen Gebäuden, 
weshalb sie auch überall fehlen; sicher in der Regel auch die Fenster, deren 
Existenz nicht mehr bezweifelt werden kann und an vielen Orten nachgewiesen 
ist. Nur in Ausnahmefällen, wie z. B. in den 'I'hermen und in einigen Privat- 
häiusern finden sich metallene Fensterrahmen und Sprossen. Nicht von Holz 
waren dagegen die Fußböden, sondern diese stellte man, den Forderungen des 
Klimas gemäß, aus Estrich und aus den verschiedenen Arten von Mosaik her, 
welche sich vom rohesten bis zu den wundervollen Mosaikgemälden erheben, 
die bereits genannt und weiter unten zu besprechen sind. Über die roheren 
Arten, Welche man in Pompeji fast überall findet, sei hier nur kurz bemerkt, 
dass den Ausgangspunkt eine auf den geglätteten Boden ausgegossene und auf 
demselben geebncte Gyps- und Mörtelmasse bildet, welche nach einer in Sig11ia 
(Segni) gemachten Erfindung entweder nur mit zerstoßenen Ziegeln oder einem 
sonstigen Stoff gefarbt wurde, und dadurch ungefähr das Ansehn rothen Granits
        

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