Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876877
Erster Abschnitt. 
Material und Technik. 
Verputz 
Holz. 
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Abbildung zeigt, übertüncht worden. Jetzt ist übrigens davon nichts mehr 
sichtbar, an der von Mazois überlieferten, vielen anderen entsprechenden und 
durch die zum Theil noch erhaltene dicke Umhüllung der Säulen verbürgten 
Thatsache jedoch nicht zu zweifeln. Ein Beispiel der Verunstaltung eines 
alten Traufkranzes von Terracotta behandelt von Rohden a. a. O. Auf die 
originalen Stuccoarbeiten der Spätzeit soll im dritten Abschnitte dieses Capitels 
zurückgekommen werden. 
Über die Bauweise der römischen Perioden Pompejis ist, wenn nicht auf 
eine Fülle von Einzelheiten eingegangen werden soll, welche großentheils bei 
der Beschreibung der einzelnen Gebäude berührt worden sind, nur wenig zu 
sagen. Das Hauptmerkmal dürfte das Aufhören des Quaderbaus und seine 
Ersetzung durch den Bruchsteinbau auch in den Fagaden sein, wobei eine 
zunehmende Verwendung des Backsteinziegels in den Ecken und den Thür- 
pfosten bemerkt wird, welche letzteren zum Theil ganz aus Ziegeln, daneben 
freilich auch ganz aus ziegelförmig geschnittenem Bruchstein oder gemischt, 
in abwechselnden Lagen (ein Bruchstein und zwei Ziegel) aus beiden Mate- 
rialien aufgeführt werden. Für die augusteische Zeit scheint die Anwendung 
des reinen opus reticulatum charakteristisch, während die Bauten nach dem 
Erdbeben vielfach die Spuren flüchtiger Arbeit und in der Wahl der Materialien 
sowie in der Technik geringere Sorgfalt zeigen. Daneben wird noch ein Mal 
auf die vielfache Verwendung des Travertins (s. oben) und darauf hinzuweisen 
sein, dass der Kaiserzeit neben dem dicken Stuccoverputz auch die Incrustation 
und Verblendung des Baukernes mit edleren Steinarten, namentlich mit Mar- 
mor eigenthümlich ist. 
Mit dem Maurerhandwerk verband sich in allen Privatbauten Pompejis 
und in den meisten öffentlichen das des Zimmermanns, und Holz, besonders 
Fichtenholz, daneben, wie die Untersuchungen der Kohlen ergeben haben, in 
geringerem Umfange Nussbaum-, Kastanien-, Eichen- und Buchenholz wurde 
überall in großer Masse und auch da verwendet, wo es in der Gegenwart ver- 
möge der Holzarmuth Italiens vollständig verdrängt ist. Namentlich wurde 
es in den oberen Geschossen gebraucht, welche deshalb, wie bereits verschie- 
dentlich bemerkt, fast durchgängig zerstört sind. Von Holz construirte man 
S0 ziemlich alles Decken- und Dachwerk in Privathäusern wie in öffentlichen 
Gebäuden; Wölbungen kommen außer in den Thermen, in den Thorbogen, 
in den Gängen der Theater und des Amphitheaters und in beschränktem Maß- 
stabe in einigen Privathäusern (z. B. S. 284. 322) und Grabmälern nicht vor, 
was um so meh1' bemerkt zu werden verdient, als in der Durchführung der 
Wölbung der bedeutendste Fortschritt der römischen Architektur gegen die 
griechische liegt; aber auch gerade Steinbalkendecken sind höchstens in ganz 
einzelnen Ausnahmen und in geringen Maßen nachweisbar, und selbst das 
Gebälk der alten Forumscolonnade besteht (wie S. 65 bemerkt) nicht aus einem 
Stück von Säule zu Säule, sondern ruhte auf einer Holzbohle, welcheauf der 
Innenseite durch eine hochkantig gestellte Bohle verstärkt wurde. Auch hatte 
kam Tempel, keine der öffentlichen Hallen in Pompeji eine Steindecke, son- 
dern die Decke wie der Dachstuhl war von Holz und wahrscheinlich mit 
lebhaften und glänzenden Farben bemalt. Diese Thatsachen, welche aufeine
        

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