Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876868
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
zu schildernden ersten Decorationsweise sind, welche auf der Nachahmung 
von Marmorincrustation durch plastisch behandelten Stuccoverputz beruht. 
In Betreff des Verputzes aber ist es fast noch wichtiger als in Betreff des 
rein Baulichen auf den großen Unterschied der älteren Perioden von der 
jüngsten aufmerksam zu machen, und zwar deswegen, weil hier der künst- 
lerische Charakter der Architektur und der Ornamentik fast noch unmittel- 
barer in die Erscheinung tritt. Der Unterschied ist aber der, dass der Stucco, 
wo er in den älteren Perioden als Verputz auftritt, nur bestimmt ist, dem un- 
scheinbaren und ungleichartigen Material ein edleres und gleichmäßiges Ansehn 
zu geben und der Färbung oder Malerei, wo diese auftrat, als Unterlage zu 
dienen, ohne, wie dies schon bei dem griechischen Tempel bemerkt worden 
ist, irgendwo zum Träger auch nur des geringsten Gliedes zu werden. Er 
erscheint hierbei, technisch auf das vortrefflichste bereitet, als ein sehr harter 
und feiner Überzug, der weder architektonische Glieder noch selbst plastische 
Ornamente in ihren Formen verdirbt (vgl. z. B. von Rohden, Terracotten von 
Pompeji S. 9), während in ihm, da wo er im Innern selbst formgebcnd ver- 
wendet wird, wie an Simsen und den für den ersten Decorationsstil so charak- 
teristischen Zahnschnitten, die größte Schärfe und Genauigkeit der Formen 
zeigt. Im graden Gegentheil hierzu bildet der Stuccobewurf der spätem Zeit, 
welcher wesentlich als die Grundlage der Frescomalerei zu betrachten und 
unter diesem seines Ortes näher darzulegenden Gesichtspunkte vortrefflich 
ist, eine dicke Kruste, unter der jede Form wie jedes Material verschwindet 
oder gleichgiltig wird. Mit dieser dicken Verputzungskruste hat aber die letzte 
Periode Pompejis nicht nur ihre eigenen Bauten, sondern zum großen Theil 
auch diejenigen der früheren Perioden überzogen und verdeckt und dabei eine 
Menge schöner alter Formen nicht nur verhüllt und stumpf gemacht, sondern 
auch vielfach gänzlich umgewandelt. Hierfür möge es genügen auf ein be- 
stimmtes Beispiel hinzuweisen, welches Fig. 264 vergegenwärtigt. Um die 
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Fig. 264. Übertünchtes dorisches Gebälk vom Apollotempel. 
ursprünglich ionisehen Säulen mit dorischem Gebälk im Peribolos des Apollo- 
tempels  Fig. 51) mit dem in korinthischem Stil restaurirten Tempel in eine 
Art von Übereinstimmung zu bringen, sind dieselben in der Weise, welche die
        

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