Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876781
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
bauten die ältesten Monumente Pompejis vor uns haben ; und zwar wurde in 
Privathäusern dem Sarnokalkstein, als dem in der größten Nähe zu habenden 
Material, der Vorzug gegeben. In den vollkommensten Mustern, von denen 
nur als Beispiele die Casa de! ckirurgo (oben S. 279  de! naviglio (N0. 44 im 
Plane), degli scienziati (N0. 48 im Plane) genannt werden mögen und von denen 
die Facade der Casa del clzirurgo in der beiliegenden Abbildung mitgetheilt 
ist, Enden wir in den Facaden und in den Hauptmauern, namentlich den- 
jenigen um das Atrium, welche" wegen ihrer Durchbrechung mit den Thüren 
der umliegenden Zimmer und ihrer Belastung mit den Balken des Daches 
besondere Festigkeit erheischten, den Kalkstein in ziemlich bedeutenden, 
regelmäßig behauenen Quadern verwendet, zwischen denen eine dünne Lehm- 
schicht, nicht sowohl als Bindemittel, als vielmehr zu dem Zwecke angebracht 
ist, um durch sie kleine Unregelmäßigkeiten der Oberfläche auszugleichen, 
welche, indem sie einen ungleichmäßigen Druck der Quadern mit sich bringen, 
diese leicht zersprengen würden. 
Dieser massive Quaderbau ist nun aber in keinem Falle durch alle Mauern 
eines Hauses durchgeführt, noch jemals durchgeführt gewesen, vielmehr ver- 
bindet sich mit ihm grade in den genannten besten Mustern dieser Bauweise, 
mit denen alle übrigen Beispiele übereinstimmen, für Innen- und Zwischen- 
Wände, Welche nichts oder doch nur geringe Lasten zu tragen und die Räume 
nur abzuschließen hatten, der eigenthümliche Kalksteinfachbau, von welchem 
Fig. 262 aus einem Hause der Reg. VII, ins. 3 eine Probe giebt und der sich 
ebenfalls nur aus dem Mangel des Kalkmörtels verstehn lässt. Diese Wände 
bestehn aus kleinen Bruchsteinen, wie sie bei der Bearbeitung der Quadern 
abfallen mochten und daher überwiegend, aber nicht ausschließlich, ebenfalls 
von Kalkstein, welche ohne Verbindung durch Kalkmörtel, vielmehr nur mit 
Lehmverband auf einander geschichtet sind und Welche deshalb ein Mauer- 
Werk von sehr geringer Haltbarkeit abgegeben haben würden. Aus diesem 
Grunde hat man diesen WVänden außer massiven Quaderecken ein System von 
Pfeilern aus theils flach gelegten, theils hochgestellten Quadern gegeben, zu 
dem der Holzfachwerkbau das Vorbild geliefert haben mag. Dies Quader- 
gerippe, dessen Zwischenräume mit den kleinen Bruchsteinen im Lehmverband 
ausgefüllt wurden, gab der Wand die nöthige Festigkeit, welche bei der Ver- 
wendung von wirklich verbindendem Kalkmörtel auch ohne dasselbe erreicht 
worden wäre. 
Wenn oben gesagt wurde, dass man für den ältesten Quaderbau dem 
Sarnokalkstein den Vorzug gegeben habe, so würde esdoch irrig sein, zu 
behaupten , derselbe sei zu irgend einer Zeit ausschließlich im Gebrauche 
gewesen und die Verwendung des Tuffes gehöre einer spätem Periode als die- 
jenige des Kalksteines an; besteht doch schon das älteste uns bekannte Ge- 
bäude Pompejis, der griechische Tempel bis auf die Capitelle aus Tuff (s. oben 
S.  Vielmehr steht die Sache so, dass man den Kalkstein als das wider- 
standsfähigere Material da verwendete, wo es galt, äußeren Einflüssen (Stoß 
und Druck) Zll begegnen, den Tuff dagegen als das feinkörnigere und leichter 
zu bearbeitende Material da, wo eine feinere und künstlerische Formgebung 
gefordert wurde. Aus diesem Grunde bestehn die unteren Theile der Stadt-
        

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