Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876771
Erster Abschnitt. 
Material und Technik. 
Steinarten , 
Bauweise. 
499 
lediglich der Spätzeit ein allerdings schon seit alter Zeit bekannter weißer, 
fast marmorartiger Kalkstein ungewisser Herkunft, der s. g. Travertin, an, 
den wir hauptsächlich aus der unvollendet gebliebenen Wiederherstellung 
des Forums nach dem Erdbeben (s. oben S. 73 u. vgl. unten Fig. 270) und 
sonst an einigen Bauten kennen lernen, an denen er als iErsatz für den kost- 
spieligen weißen Marmor zu dienen hatte. Denn dieser ist Wesentlich als 
ein Luxusmaterial der Kaiserzeit zu betrachten, welches nur decorativ in den 
weiterhin genauer zu beschreibenden Formen verwendet wurde, uns aber wohl 
häufiger, als es thatsächlich der Fall ist, entgegentreten würde, wenn er nicht 
bald nach der Verschüttung seines Werthes wegen entfernt worden wäre. In 
dem Localmuseum der Porta della marina hat Ruggiero mehre Tafeln mit 
Proben der in Pompeji gebrauchten Marmor-, Alabaster- und sonstigen Stein- 
arten anbringen lassen und wir finden diese Steinarteil in öffentlichen und in 
Privathäusern der späteren Bauperioden in Säulen und Halbsäulen, Capitellen, 
Täfelungen, Thüreinfassungen und anderen Gliedern in zum Theil vortreff- 
licher Behandlung wieder. Auch zu Fußbodenplattungen wurde in öffentlichen 
und Privatgebäuden farbiger Marmor verwendet, der übrigens meistens in 
unregelmäßigen Platten, Plättchen und Stücken vorkommt, was den Gedanken 
nahe legt, dass es sich hier um den Abfall handelt, der etwa in der Hauptstadt 
bei der Herstellung von Prachtbauten übrig blieb und der in die Provinzen 
Verkauft worden sein mag 201)  
Neben den Bruchsteinen ist endlich noch der Thonziegel zu gedenken, 
von denen wir nicht mit Sicherheit sagen können, ob sie einheimisches Fabrikat 
oder von außen her eingeführt worden sind. Indem auf ihre Verwendung in 
Verbindung mit anderen Materialien zurückgekommen werden soll, sei hier 
nur bemerkt, dass in Pompeji, wo sie am frühesten zur Dachbedeckung, dann 
Zu Säulen (schon in der Basilika und in den vornehmen oskischen Häusern: 
del Fauna, rlel Laberinto u. a.) verwendet wurden, kein ganzes Bauwerk 
lediglich aus Thonziegeln errichtet worden ist und dass ganze Wände nur aus 
Ziegeln (wie die Facade der Basilika gegen das Forum) zu den Ausnahmen 
zu rechnen sind. 
Zu dem Material, von welchem die Bauweise abhängt, gehört aber nicht 
allein der Stein, aus dem, sondern eben so sehr das Bindemittel, mit dem man 
baut. Es ist eines der wesentlichsten Verdienste Nissens (Pompejan. Studien 
S. 40 ff), dies nachgewiesen und daraus die für die Bauten in Pompeji sich 
ergebenden Folgerungen abgeleitet zu haben. 
Nun findet sich neben dem verschieden gemischten Kalkmörtel an 
zahlreichen pompejanischen Bauwerken Lehm als Verband der Werkstücke 
Verwendet, und wenn es auch irrig sein würde, alle die Stellen, wo dies der 
Fall ist, schlechthin für älter zu erklären, als diejenigen, wo Kalkmörtel ge- 
braucht ist, so ist doch sicher, dass der Lehmverband dem Kalkmörtel voran- 
gegangen ist und dass, so wie ein haltbarer Bruchstein- und Ziegelbau von 
der Verwendung von Kalkmörtel abhangt, der massive Quaderbau durch den 
Lehmverband bedingt und hauptsächlich durch das Aufkommen des Kalk- 
mörtels Verdrängt worden ist.  
Es unterliegt hiernach keinem Zweifel, dass wir in den massiven Quader- 
32'
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.