Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876761
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Erstes Capitel. 
Die Architektur und das Bauhandwerk. 
zu den Bauten verwandt, welches am Orte selbst oder in seiner nachbarlichen Um- 
gebung zu gewinnen war; und sowie das in seinem Pentelikos marmorreiche 
Attika in seinen öffentlichen Monumenten fast nur Marmorbauten aufzuweisen 
hat, wie in anderen Gegenden Griechenlands bald Sandstein, bald Kalkstein. 
bald Tuff gebrochen und verbaut wurde, so sind in Pompeji hauptsächlich 
solche Gesteinarten verwendet, welche in der Nähe oder doch in nicht allzu 
großer Entfernung gewonnen wurden und noch heute nachweisbar sind. Doch 
ist schon hier zu bemerken, dass die ältere Zeit sich soweit möglich an das 
zunächst gelegene Material hielt, während der verfeinerte Kunstbctrieb die 
Herbeischaifung des für seine Zwecke geeigneten Materials aus größeren Ent- 
fernungen nicht scheute. 
Ungewiss wo, jedenfalls aber in der Nähe hatte das selbst auf einem 
uralten Lavastrom erbaute Pompeji Brüche von Lava, einem sehr harten, 
schwer zu bearbeitenden Material, welches daher auch nur sehr selten zu 
Quadern behauen und nur an einer einzigen Stelle zu einer ganzen Quader- 
mauer verwendet worden ist. Auch ihr sonstiges Vorkommen in Pfeilern, 
Thürgewänden, Säulentrommeln u. s. w. ist vereinzelt, während sie ihre 
Hauptverwendung außer im Straßenpflaster in den Schwellen der 'I'hüren 
und Läden gefunden hat und außerdem als ilnregelmäßiger Bruchstein in 
kleinen Stücken häufig in den Wänden (dem opus incertum) der früheren 
Perioden vorkommt. Auch die vulcanische Schlacke (cruma) und der 
Bimsstein kommen nur unregelmäßig in Bruchsteinmauerwerk und, ohne 
Zweifel der Leichtigkeit Wegen, in Gussgewölben, wie z. B. denjenigen der 
Stabianer Thermen, vor. Das erste Hauptbaumaterial ist ein aus dem Wasser 
des Sarno niedergeschlagener Kalkstein, welcher sich längs des ganzen 
Flusslaufes in mehr oder weniger starken Lagern findet. Derselbe ist nicht 
durchaus von gleicher Beschaffenheit, bald dichter, bald poröser und von 
Püanzenresten durchsetzt; frisch gebrochen ist er nicht hart und unschwer 
zu bearbeiten, während er an der Luft dunkelt und erhartet und in den antik 
verwendeten Stücken braun aussieht und ein hartes, sehr widerstandfähiges 
Material darstellt, welches jedoch eine feinere Bearbeitung nicht zulässt und 
deswegen hauptsächlich da Verwendet worden ist, wo gegen Druck, Stoß oder 
Verwitterung größerer Widerstand geleistet werden sollte. Im Übrigen ist 
sein Gebrauch früh eingeschränkt worden, und zwar zu Gunsten des ungleich 
feinkörnigern, durch sein Gefüge und seine graue Farbe von jenem leicht zu 
unterscheidenden vulcanischen Tuffes, welcher in den Bergen bei Nocera 
bricht und zu Lande aus einer immerhin ansehnlichen Entfernung herbei- 
gebracht werden musste, aber sich als ein sehr vorzügliches, auch zur feinem 
Formgebung geeignetes Material erweist, dessen überwiegende Verwendung 
die höchste Blüthezeit des selbständigen Pompeji (DTIIHPBIiOÖGK) bezeichnet. 
Neben diesem grauen Tuff erscheint eine zweite von gelber Farbe und sehr 
geringer Haltbarkeit, welche an den Küsten um Pompeji überall vorkommt, 
aber niemals in größeren Blöcken, sondern lediglich in kleinen, ziegelförmig 
oder quadratisch zugeschnittenen Stücken in dem Mörtelmauerwerk verwendet 
worden ist. Dass dieses jedoch nur in den letzten Zeiten der Stadt geschehn 
sei, ist ein Irrthum. Dagegen gehört in architektonischer Verwendung
        

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