Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876725
494 
Zweiter oder artistische: Haupttheil. 
beiden Älteres und Jiingeres unterschieden werden kann, nur zu sehr dürftigen 
und vielfach zweifelhaften Ergebnissen führen würde. Wenn gleichwohl im 
antiquarisuheil Theile nirgend versäumt werden ist, die Monumente innerhalb 
der gleichartigen Gruppen so viel wie möglich haugesehiehtlich zu ordnen, 
oder wenigstens auf die Periode ihrer Entstehung hinzuweisen, so soll hier 
eine allgzelrleiiie kunstgesehielitliehe Übersicht über die Entwickelung der 
Künste in Pompeji der Einzelbetrachtung der verschiedenen Gattungen von 
Kunstwerken vorangeschickt und an diese in den späteren Capiteln erinnert 
werden. 
I)ie drei oder vier Llauptperioden der pompejanischen Bau- und Kunst- 
geschichte sind schon oben S. 36 bezeichnet und kurz charakterisirt werden. 
Aus der ältesten Periode, deren läeginil wir nicht bestimmen können und 
welche am sichersten durch die Kalksteinhäuser bezeichnet wird, während ihr 
ohne Zweifel der griechische Tempel auf dem Forum triangulalre  S. 88,] und 
doch wahrscheinlich die Mailer in ihrer ursprünglichen Gestalt ohne Thiirme 
angehört  43), lasst sich von Resten der bildenden Kunst mit Sicherheit 
nichts naelnveisen. Zugeschriebran sind ihr ein Simafragment mit einem 
Löwenkopf als Wasserspeier von bemalter 'l'errac0tta (abgeb. bei Fiorelli, Glz" 
seavi eli Pompei da! 1861 a! 1872  20 und bei v. Rohden, Die Terracetten von 
Pompeji, Stilttg. 1880 Taf. 1, vgl. S. 31), welches man als von dem griechischen 
'l'en1pel herstammenil betrachtet (s. oben S. S5) und welches in seinem schönen 
und kraftvollen Archaisnius dieser llcxrkunft wenigstens wiirdig erscheint. 
Anders und WCSCIILliGlI besser stehn die Sachen fiir die zweite Periode, 
die Bliithezeit der in kiiilstleriseher Beziehung unter griechischen Einflüssen 
stehenden oskischen Cultur, der   wwTuffperiorlcil, zugleich derjenigen des 
ersten Decorationsstiles, welcher die Friedenszeit zwischen dem hannibailisehen 
und dem läundesgenossenkrieg (etwa von 200-80 v. u. Z.) umfasst. Dieser 
Periode, welcher die hauptsachlichsten Süulenbauten (die Porticus des Forums 
in ihrer altern Gestalt, diejenige des Forum triangularaa, der (iladiatoren- 
kaserne), der Juppiter- und der Apollotempivl, die Basilika, die Stabianer 
Thermen, die Palaestrai, das größere Theater und die alten vornehmen Häuser 
des F auns, des lritllylfllltllS, des Sallust u. s. w. in ihrer Anlage und die letz- 
teren auch ihrem llarlptbestande nach angehören, ist zunächst eine ausgiebige 
Verwendung der 'l'erracotta zu plastisch verzierten läaugliedern, Simsen, 
Wasserrinnen und Wasserspeicrn zuzuschreiben, dergleichen wir vom Apollo- 
tempel (v. Rohden a. a.  2 und Ilolzschnitt 22 e. b), wahrscheinlich von den 
Stabianer Thermen (das. 7 u. 8) und aus den Iläusern des Fauns (das. 5, 2. 
6, 1. 21, 1 u. 2, und Holzschnittfiguren 32 u. 33) und des Sallust (das. 5, I. 
(i, 2, vgl. S. 9 u. 10) kennen, um von weniger Sicherem zu schweigen. Aber 
auch zu Friesen scheinen 'l'errac0ttareliefe damals verwendet worden zu sein, 
wie die Platten mit Nereiden aus der (lasa de! Fauna (das. 21) und die ver- 
wandten ungeivisser Herkunft (das. 20, vgl. die Fragmente eines großen Frieses 
mit Reiterkämpfen das. 22 und Holzschnitt Fig. 12) zeigen. Nicht minder ge- 
hören die in T uff gehauenen Köpfe an den Schlusssteinen der Begenwölbungeil 
des Nolaner Thores und des großen Theaters (s. oben S. 51 f. u. 158) dieser 
Periode. Für die schöne Ilermeshenne im Apollontempel (oben S. 101) ist dies
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.