Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876685
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Sechstes Uupitel. 
Zeugnisse des Vefkehrs und des Lebens nach Insehriften. 
Ihrem Inhalte nach zerfallen die Tafeln a) in Auctionsquittungen, d. h. 
(Quittungen über von L. (laecilius Iuc-undus ausgezahlte, aus Auctinnen stam- 
mende Gelder und h) Pachtquitt1111gen, d. h. (Quittungen über von dem Ge- 
nannten gezzmhlte  für die von ihm gepachteten Gelneinxlegrund- 
Stücke. 
Mit den Auetionsquittungeii verhält es sich. wenn, der gebotenen Kürze 
wegen, Alles, sei es auch mannichfarwh interessant, hinweggelassen wird, was 
nicht streng zum Verständniss der Sache gehört, fblgendermaßen. 
Bei allen Arten von Yyerkäufen War es in der römischen Welt üblich, 
den Weg der öffentlichen Auctinn zu beschreiten, webei jedoch der Verkäufer 
in den allerseltensten Fällen das (iesehäft selbst besorgte. Da man näm- 
lich bei auch nur einigermaßen beträchtlichen Gegenständen ein bestimmtes 
Arwtioiislocal und ein geschultes Personal für Ausrufung. Rechnungsführung, 
lieitreibxnrg des Geldes nöthig hatte, so bediente man sich eines Mittelmaunes, 
des eoactor. Dieser tritt nun dem Publicum und dem Käufer gegenüber 
als Verkäufer auf. stellt die Zahluugsbcdiirgriiigeii fest und bürgt seinem Auf- 
traggeber für die Zahlung; welche er in der Regel sofort leistete, auch dann. 
wenn er selbst dem Käufer Credit geben musste. Hiezu hatte er selbstver- 
ständlich läetriebscapital nöthig und so kommt es, dass bei nur einigermaßen 
erheblichen Geschäften der cozu-for ein mycnlzzrvivns, d. h. ein Bankier oder 
"Bankhalter sein musste und dass er gewöhnlich als roactor argentarius oder 
auch nur als argmzfa1'1izzs bezeichnet wurde. 
Für die oben bezeichneten Leistungen und für die weiteren (ieschäfts- 
unkosten, für das Local. die Ausrufer (praccmzesl, die Bedienung und die 
Rechnungsfiihrung. endlich für eine dem Staate zu leistende Abgabe von 1 "[0 
des Kaufgeldes erhielt der (zrgelzfarrizns seinen nLßllna (merces), Welcher in der 
Regel 2M, (21130. nquivzqzaagesivzzaw) der gesammten Kaufsumme betrug, bei 
kleineren oder schwierigeren Geschäften aber höher berechnet werden konnte 
und in einem uns vorliegenden Falle von L. (Jaecilius Iucundils mit 81h], 
berechnet werden ist. Diesen Lohn des Auetionators hatte der Käufer als 
Zuschlag zu seinem Gebote zu erlegen, wiihrend dem Verkäufer die ganze 
Summe gut geschrieben und die Auctionskosten verrechnet, d. h. abgezogen 
wurden. Vom Käufer also wurden 102 statt 100 erhoben und der Auftrage 
geber quittirte seinem Mittelsmann beim Empfange des Auctionsbetrages über 
102 nweniger den Lohnt (mercede minus). Die Geringfügigkeit des Lohnes 
(Wir Sagen in unserem Geschäftsleben NlBT Provisionu) des Auctionators erklärt 
sich nur aus der großen Zahl der von ihm besorgten Geschäfte, und eben diese 
große Zahl und der wenigstens zum Theil beträchtliche Umfang der Geschäfte 
(die höchste dem L. Caecilius ausgestellte Quittung lautet auf 38079 Sesterzen, 
ill runder Sllmmß 3270 M.) macht es begreiflich, dass die argentarii zu an- 
gesehenen und vermögliehen Leuten wurden, dergleichen unser pompejaner 
Bankhalter nach Ausweis seiner Wohnung geworden zu sein scheint. 
Die Quittungen selbst nun, in welchen stets L. Caecilius Iucundus als 
der Zahlende erscheint. dem die Quittung ausgestellt wird, während der 
Empfangende und Quittirende, einige YViederholungen abgerechnet, stets
        

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