Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876641
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Sechstes Capitei. 
Zeugnisse de Verkehrs und. des Lebens nach Inschriften. 
und aus den Inscbriften geht hervor. dass sie über den von dem einen oder 
von dem andern gethaneu Wurf in Streit gerathen. Dieser droht in dem 
vierten Bild in Illiätlichkeiten auszuarten, welche in den Heischriften von 
gegenseitigen Beschimpfungen begleitet sind. Der Wirtb aber tritt hinzu mit 
den über ihm geschriebenen Worten: tilis foris mlrsalzlsu (hinaus! zankt euch 
draußen".  Hier wird es erlaubt sein, des ebenfalls auf den 'I'runk bezüglichen 
Inhalts wegen eine Inschrift nicht von einer Wand, sondern von einer 1763 in 
Pompeji gefundenen Weinamphora (2776) anzufügen: presla mi sincemlivn] sie 
te amet quae custodif [lflorlzdnzl Venus (ngiel) mir reinen Wein, so liebe dich 
Venus, welche den {Wein-l Garten schützta), Worte, die der Gast zum Wein- 
bauer spricht. welcher ihm Wein ausschenkt. Von einem starken Durst legt 
folgende Inschrift aus der Basilika (1819) Zeugniss ab: Sun-an's mözaria sätit, 
roya was. e! culrle sitzt (nSuavis dürstet nach ganzen Flaschen, ich bitte euch, 
er dürstet gewaltige) I), der hinzugefügt ist: Calpuwzia tibi dicit wie {sCal- 
purnia [die Schenkin) sagt dir : wohl bekomnfs la). Die interessanteste dieser 
Schenkinschriften aber ist die im Atrium der Casu. de! orsn gefundene (1679), 
welche so lautet: Edone (licif : assvibus in's bibilur, clipundiztvn si decleris meliora 
bibes, guantus U) si dederis eimz Falema bzibes (nEdone : lHedone. das ist die 
Kellnerin] sagt: hier trinkt man für ein As ; giebst du ein Doppelas, so wirst 
du bessern Wein trinken ; wenn du viere bezahlst. trinkst du Falernergewächsa), 
denn dies scheint der Sinn zu sein, da die Lesung oder Erklärung des qucmlus, 
das eine [Inregelmäßigkeit in den Satz bringt, nicht über allen Zweifel erhaben 
ist; die Bedeutung des Ganzen ist klar, und prächtig ist, wie der edle Fa.- 
lernerwein am Schlüsse die poetischen Anklänge der ganzen Inschrift in einen 
regelrechten Pentameter sammelt. Die Yerwünschung eines betrüglichen 
Kneipwirths ist oben  480) unter den Versen mitgetheilt worden. 
Wir beschließen diese kleine Übersicht mit der Erwähnung der wenigen 
mehr oder weniger sicheren Notizen über Juden und Christen in Pompeji, 
welche sich bisher gefunden haben. Dass Juden in Pompeji gelebt haben, ist 
bei dem schwunghaften Handel, welchen die Stadt betrieb, an sich wahr- 
scheinlich genug, die sicheren Beweise aus Inscbriften aber sind noch ziemlich 
vereinzelt. Was sich von ihnen hat auftreiben lassen, hat Garrucci im Bul- 
lettino Napolitano n. s. II, p. 8 zusammengestellt. doch ist von seinen Beweis- 
stücken das Vorkommen eines anscheinend semitischen Namens Memob in 
einer der schon oben  465, Note fix) erwähnten griechischen, nicht ent- 
zifferten Inschriften nur schwach, viel bedeutender die mehrfache Wieder- 
holung des Wortes vezpus in Dipinti, da dieses eine aus Juvenal (Sat. 14, 
VS. 104) u. A. bekannte Bezeichnung der Juden ist, welche sich schwerlich 
anders wird erklären lassen. Ganz vereinzelt, aber doch wohl nicht zu bezwei- 
feln ist die Erwähnung von Christen in einer mit Kohle geschriebenen Inschrift 
in (18111 HRUSQ N0. '26 des Vico dei Zupanari (679). Zum größten Theile ver- 
wischt lässt sie mit der nöthigen Sicherheit nur das einzige, aber wohl 
i) 1)ie Übersetzung folgt der Erklärung Jahns, Jahrbb. des Alterth. Vereins im Rhein- 
lande XIII, S. 106, aber vgl. denselben in Ber. d. k. sächs. Ges. d. Wiss. IX, S. 196, Note 32. 
Suavels kann auch fem. und als Schenkin bezeichnet sein.
        

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