Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876614
Graffiti. 
Öffentliches Leben, 
Ghadiatorenlibelli. 
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in diesen privaten Inschriften: denn anders kann man es doch füglich nicht 
nennen  wenn sich fünf YVahlempfehlungen und W ahlprogramnie in den 
Stucco der Säulen und Wände der Atrien und Peristyde iin Innern von Privat- 
häusern eingekratzt finden f). die hier für die Ötfentzliclikeit in keiner Weise 
bestimmt gewesen sein können. Auf den besondern Inhalt dieser zum Theil 
etwas abgeänderten Wiederholungen der für die Öffentlichkeit bestimmten 
Dipinti kann hier nicht eingegangen werden; interessant ist vor Allem die 
Thatsache im Ganzen, Welche deutlich zeigt, wie lebhaft bewegt das öffent- 
liche communale Leben zu Zeiten in Pompeji War, und wie die Wahlkämpfe 
die Gemüther erregten. 
Neben ihnen dann, und zwar in ganz besonderer Ausdehnung. die Kämpfe 
des Ampliitheaters. die Erinnerungen an welche eine ziemlich starke Classe der 
Graffiti abgeben. Auch hier muss auf das Eingehn in das Einzelne verzichtet 
werden; von einigen dieser Inschriften, welche uns die ausgegebenen Hbellz" mit 
den zum Kampfe geordneten Gladiatorenpaaren vergegenwärtigen, ist schon 
oben bei Gelegenheit der Dipinti gesprochen worden; andere und neben ihnen 
vielfache. wenn zum größten Theile auch sehr rohe Zeichnungen, Welche Gla- 
diatoren verschiedener Waffengattungen, häufig, ja meistens mit ihren Namen, 
in den verschiedensten Scenen und Stadien der Kämpfe, gegen einander an- 
gehend. siegreich und besiegt, triuniphirend und gefallen darstellen, mochten 
als werthe Erinnerungen an die gesehenen Herrlichkeiten der heißgeliebten 
Spiele dienen. Auch von diesen Zeichnun- 
gen ist F ig. 261 ein Pröbchen. welches zu-   
gleich zu Vergegenwärtigung des Schrift- ÄXX   l 
charakters der Graffiti dienenkann. Rechts 1.x 23;?    
steigt ein Bewaffneter mit einer Palme in   
der Hand. also jedenfalls ein Sieger, viel-    j 
leicht ein Gladiator, eine Treppe, vielleicht i  "  "AX 
eine solche des Amphitheaters herab, die k    {Kauf  
beiden Personen links sind weniger sicher  X v  
zu erklären, möglicherweise sollen sie Fig_ 251_ Gramm mit Bild 
einen Magistrat oder den Procurator auf 
dem Tribunal und den Herold darstellen. Unsicher ist auch die Bedeutung 
der jetzt verlorenen Inschrift ( 1293) : Oampani vicioria zma cum Nucerinis 
peristis (iiCampaner [Capuanerh ihr seid in einem Siege mit den Nucerinern 
llmgekommena). Sie ist schon seit langer Zeit und neuerdings Wieder, wohl 
nicht ohne Grund, auf jene Schlägerei im Amphitheater von Pompeji bezogen 
worden, über welche oben S. 14 f. berichtet ist. In eine nähere Auseinander- 
setzung über den Wortlaut der Inschrift kann hier nicht eingetreten werden. 
Sowie die Erinnerungen aus dem öffentlichen Leben finden sich auch die- 
jenigen aus dem Leben des Hauses und der Familie in nicht geringer Zahl an 
den Säulen und Wänden im Innern der Häuser angeschrieben, neben ihnen 
auch etliche aus dem Treiben der Gesellschaft. Ein Stück einer Buchführung 
über Schweinefett und Knoblauch haben wir schon früher (S. 294) in der Casa 
 
Zangemeister Bull. d. 
Inst. 
1865, 
P- 183 5q_
        

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