Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876580
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Sechstes Capitel. 
Zeugnisse des Verkehrs und des Lebens nach Inschriften. 
Wohl dem Wortlaute, aber nicht so ganz ihrer innern Bedeutung; nach sind 
die folgenden, communistisch lautenden Zeilen in einem Ilause der Strada 
di Nola (1597) klar: 
Uommunem nummum clivirlenrlum ccnsio esf, 
 Nam rwster mmzmus nzagnaßvz] habe! pecunianz. 
(Die gemeine Gasse zu vertheilen hat man Lust, 
Denn unsere Gasse hat gewaltig vieles Geld.) 
Dagegen können wir über den Sinn des folgenden Verses aus dem Peristyl der 
Oasa (li Olconio (s. S. 294. O. I. L. 2069) nicht zweifelhaft sein: 
Moram si guaeres sparye milizdm] et collige. 
(etwa: Langweilst du dich, streu' Hirsen aus und lies sie auf!) f) 
mit welchem grade nicht sehr witzigen Einfall eines müßigen Kopfes wir von 
diesen pompejaner Versen Abschied nehmen, um uns den in Prosa abgefassten 
Graffiti zuzuwenden MS. unter denen wir freilich noch allerlei rhythmischen 
Anklängen, daktylischen so gut wie iamhischen begegnen, die aber, wenigstens 
in ihrer Gesammtheit, nichts als Prosa sein wollen. 
In der Fülle dieser in Prosa abgefassten Graffiti Weg und Steg zu finden 
ist nicht leicht, und man weiß in der That nicht, wo man anfangen soll, um 
sie in Auswahl zur Übersicht zu bringen. Denn wie sie im buntesten Dureh- 
einander an gewissen Wänden stehn, so greift auch ihr Inhalt vielfäiltig- in ein- 
ander über, wenn man ihn nach gewissen Classen eintheilt. Und dabei geräth 
man außerdem in Gefahr bei Dingen, welche von allem Systematischen und 
Steifen so entfernt wie möglich sind, den Eindruck des Steifen und Pedanti- 
sehen hervorzurufen. Allein in irgend einer Ordnung muss man denn doch 
vorgehn, und so sei versucht, wie weit wir kommen, indem wir an die metri- 
schen Graffiti möglichst nahe anknüpfen, während es vielleicht eben so nahe 
gelegen hätte, bei den kürzesten und einfachsten lnschriften, d. b. den sehr 
vielen bloßen Namen anzufangen und von ihnen zu den längeren und inhalt- 
reicheren emporzusteigen. Die Anknüpfung aber geschieht wohl am besten, 
wenn wir etliche Liehesergüsse vorzinstellen. S0 z. B. das sententiöse und 
metrische Sprüehlein (1883)  Nemo est brzllus nisi 1124i (mzavit mulivrevn     
(vwer nie ein Liebehen hatte ist kein braver Manna). An einer andern Stelle 
sehmachtet Einer: anums 14115722213 meus (nmein Herz ist voll Lieben), hat ein 
Zweiter das Wort. wPsyteheu (nSeelew, Liebchenl, so angeschrieben, dass die 
Schnörkel des lP ein Ilerz bilden, welches das ganze Wort einfasst s. U. I. L. 
a. a. O. tab. XXVII, 15). Der Liebeszurufe mit dem griechischen noble, 
und dat. von sus) hinausläuft, nach welchem jilius similis sui auch : prrrculzes sein könnte. 
Dass es eine mulier ist, welche diesen jüiznlz similenr suz" trägt, ist für die eigentliche Bedeutung 
des Räthsels gleichgiltig, vermehrt aber (len Doppelsinn in demjbrrc (seil. in ventre). Mein 
College Lange schlägt folgende Herstellung der von dem Schreiber entstellten Verse vor; 
lllulier ferebat jilium sinzileon suz"; 
Nec meus es! nec mi similis, ast essct mcus. 
Der vierte Quasivers ist Zusatz des Schreibers.  
i) Anders Minervini, Bull. Ital. I, p. 55 und Fiorelli, Giorn. d. scav. I, fasc. 2, 13.90, 
tav, I1, N0. 6. 
i") Die Citirung der Nummern des C. I. L. bei jedem einzelnen Grafiito ist überflüssig 
erschienen.
        

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