Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876579
Graffiti. 
Metrisches. 
(also etwa: Wer sie jemals gesehn die Schlangenspiele des jungen 
Sepumius, die er künstlich zu spielen versteht: 
Seist du der Bühne Freund, seist du Liebhaber der Bosse, 
Stets doch halte du gleichschwebend die Schalen des Rechts.) 
Neben den Hexametern und Pentametern treten ferner unter den Poesien 
an den Wänden Pompejis nicht ganz selten iambische Senate auf, von denen 
jedoch, theils weil die meisten nur mangelhaft entzidert sind, theils aus an- 
deren, hier nicht zu erörternden Gründen, nur ganz einzelne Proben ans- 
gehoben werden können. Recht anmuthig, wenngleich nicht ohne alle me- 
trischen Anstöße, sind die Verse, welche Jemand in Erinnerung an die auf 
einer Reise nach Pompeji, welche ihm, dem Verliebten, zu langsam gegangen, 
empfundene Ungeduld, im Peristyl des Hauses Reg. IX, 5, 11 an die Wand 
geschrieben hat, welche hier aber nur mit Unterdrückung einer dritten, nicht 
metrisch gefassten Zeile in ihrer auch sprachlich interessanten Schreibweise 
mitgetheilt werden können: 
Amoris ignes si sentires mul-io 
Magi properares u! videres Venerem. 
Bibisti; iamus  premle lora et excute, 
Pompeios defbr, ubi rlulcis est amor 
Jleus    f") 
(und welche man etwa, mit Modernisirung des in keinen deutschen Vers zu 
bringenden Maulthiertreibers (mulio), so wiedergeben könnte: 
Wenn du der Liebe Feuer fühltest, Hauderer, 
So führst du schneller, um dein Liebchen zu erschaun. 
Getrunken hast du! So nimm die Zügel und peitsche drauf, 
Bring" schnell mich nach Pompeji, wo mein Schätzchen weilt, 
Das süße.    
Eines der interessantesten Stücke in freilich nicht durchgeführten oder etwas 
wild gewordenen Senaren ist ferner das folgende mit nRäthselu überschriebene 
aus der Basilika (1877), von dem es uns nicht wundern darf, wenn wir es 
nicht ganz verstehn, da es ja schon den alten Pompejaneni zu rathen geben 
sollte: 
Zetema. 
Mulier ferebat filium similem sui  
Nec meus est nec mi similat sed 
Vellem esset meus 
Et ego  volebapn] ut meus esset. 
(Räthsel. 
Es trug ein Weib ein Kindchen, das ihr ähnlich war; 
Nicht ist es meines, noch auch gleicht es mir, 
Doch wollt ich, es wäf meines. 
Und ich: auch ich wollte, dass es meines wäi") xi). 
Ü Bull. d. Inst. 1877, p. 223. 
H) Die Erklärungsversuehe, die aber zu keiner Lösung geführt haben, sind im C. I. L. 
a. a. O. angeführt. Hr. Dr. B. Rogowicz, damals stud. phil. in Halle, sandte mir brieflich 
(d. d. 30. 1. 74) einen nicht unwahrscheinlichen Lösungsversuch, welcher sich in der Über- 
setzung nicht wiedergeben lässt, da er auf ein Wortspiel in dem VVUICG sui i: gen. von suus 
Overbeck, Pompeji. 4. Aufl. 31
        

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