Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876567
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Sechstes Capitel. 
Zeugnisse des Verkehrs und des Lebens nach Inschriften. 
(Wer mein Mädchen verführt    
Den im öden Gebirg fresse der gräuliche Bär!) 
Aber nicht blos Liebesseufzer und Verwünschungen sind in Versen an die 
Wände Pompejis geschrieben, auch ganz andere Interessen geben sich gelegent- 
lich in Hexametern oder Pentametern kund. Gegen den Kneipwirth, der ver- 
wässerten Wein verkauft, macht z. B. ein Gast seinem Ärger in folgenden 
Versen Luft: 
Talia te fallant utinam me[n]dacz'a, copo; 
Tu ve[n]des acuam et bibes zpse merum. 
(O dass solcherlei Lug doch dich betrüge, du Kneipwirth; 
Wasser verkaufest du uns und trinkest selber den Wein.) 
welche an einem Pilaster in einer caupona (Kneipe) Reg. I, 2, '24 standen, aber, 
obwohl tief und deutlich eingekratzt, schon in dem Jahre, in welchem sie ge- 
funden wurden, zu Grunde gegangen sind  Wenn dagegen einer dem L. Ista- 
cidius (die Istacidier gehören zu den Vornehmen in Pompeji) wiederum in der 
Basilika (1880) zuruft: 
L. Islacidi  At quem nun ceno barbarus ille milu" est. 
Istacidius! Wer mich zu Tische nicht lädt, gilt mir als roher Gesell" 
wozu sich folgende daselbst (1937) in Prosa geschriebenen YVorte : quisque me 
ad cenam vocarit vßzleat] (nI-Ieil dem, der mich zur 'l"afe1 ruftlu) in Gegensatz 
stellen, so darf man in Beiden Zeugnisse des auch in Pompeji blühenden Para- 
sitenthums erkennen. Und vielleicht War von dem Parasitismus auch der 
dankbare Gast nicht allzu weit entfernt, der in einem Schlafzimmer des Hauses 
Reg. VI, 14, 3 an die Wand geschrieben hat: 
Semper M. Terentius Eudoxus zmus supstenet amicos  et tenet et tutat supstenet 
omne (so) modo de") 
(Immer erhält M. Terentius Eudoxus allein seine Freunde; hält und beschützt und erhält alle 
in jeglicher Art). 
Denn die letzten Worte sollen doch wohl ein Vers sein. 
Nicht ganz so leicht verständlich wie Anderes und noch schwerer in 
Übersetzung wiederzugeben sind die folgenden von indirecter in die directe 
Anrede übergehenden Verse, die , in Schlangenwindungen Hi?) (s. 1595) an 
dem Eingang eines Privathauses der Strada di Nola angeschrieben (jetzt im 
Museum) die Schlangenspiele eines gewissen Sepumius (wohl eines Gauklers 
oder Kautschukmannes) der Bewunderung empfehlen und den Leser auffordern, 
die Wage des Rechts oder des Urteils stets gleichschwebend zu halten, d. h. 
gerecht zu urteilen über des Sepumius Künste, möge er Biihnenliebhaber oder 
Liebhaber von Pferden (des Circus) sein: 
[Sedpentis lusos si guis sibi forte notarit 
Sepumius iuvenis quos fach]? ingenio  
Spectator scaenae sive es studiosus e(g]uomm 
Sie kabeas [Zan]ces semper ubiqßoe pures]. 
Bull. (1. Inst. 1874, p. 252.  
Giorn. d. scavi di Pomp. III, p. 18. 
Siehe C. I. L. a. a. O. nach Garrucci tav.
        

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