Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876539
Dipinti, Diebstahlsanzeige. 
Graffiti, 
Metrisches, Lesefrüchte. 
477 
sicher lesbaren Anzeige eines Diebstahls in der Theaterstraße (64) geschlossen 
werden: 
VRNA AENIA PEREIT  DE  TABERNA 
SEIQVIS  RETTVLERIT DABVNTVR 
HS LXV  SEI  FVREM 
DABIT  VNDICP 
IMVAPIIC 
(weine eherne Urne ist aus einem Laden fortgekommen; wenn sie Jemand 
zuriickbringt, so werden bezahlt 65 Sest. [ungefähr 141f4 M), wenn den Dieb, 
so wird bezahlt      
Durchaus nicht den Charakter der übrigen für die Öffentlichkeit be- 
stimmten Dipinti tragen ein paar gemalte Inschriften, welche sich aber auch 
der Form nach von den bisher besprochenen dadurch unterscheiden, dass sie 
sich in Gemälden befinden; eine derselbe ist jene Briefadresse an M. Lucretius 
(879), die ihres Ortes bei Besprechung der nach ihr genannten Casa di Lucrezio 
(S. 314) erwähnt worden ist; eine andere, welche uns mit Übergehung von 
noch etlichen nicht besonders bedeutenden, den Übergang zu den Graffiti 
bahnen mag, steht als Text auf einer halb aufgerollten, gemalten Bücherrolle 
(1173) und lautet unter Nichtberücksichtigung der orthographischen Eigen- 
thiirnlichkeiten, in den ersten beiden Versen (welche im Hause des L. Caeci-. 
lius Iucundus als Graffito wiederholt sind und deren erster an einer andern 
Stelle ebenso wiederkehrt) (1173, 3199. Bull. d. Inst. 1876, 233) : 
Quisquis amat valeat, pereat gut nescit amare, 
Bis tcmto pereat quisguis amare vetat. 
(etwa: Heil sei Jedem, der liebt, weh dem, der die Liebe nicht kennet, 
Doppelt verwünscht sei der, welcher die Liebe verbeut.) 
Zwei folgende Verse sind so unsicher entziffert, dass sich ihr Sinn allen- 
falls, aber auch dies kaum, errathen lässt, so dass hier von ihnen abgesehn 
werden muss.  
Sowie wir die Dipinti mit diesen Versen schließen, ist die Übersicht 
über die Graffiti mit den metrischen Inschriften zu eröffnen. Unter diesen 
eingekritzelten Versen findet man zuerst nicht ganz wenige Lesefriichte aus 
lateinischen Dichtern, zum Theil nur abgerissene Worte und einzelne Nach; 
klänge, wie mehrfach (1282. 2361. 3198) die ersten Worte des Verses arma 
virumgue ccmo Troiae gut primus ab oris und (1841) quisguis es, amissos lzinc 
{am obliviscere Graios aus Vergils Aeneis (I, 1 und II, 148), auch (1672 und 
sonst) das Wort conticuere, welches als das erste des Verses conticuere omnes 
intentique am tenebant ebendaher (II, 1) gelten kann, ferner (1524. 1527), 
rusticus est Corydon und (1982) carminibus Circe socios mutavit (Jlixis aus 
dessen Eclogen (II, 56 und VIII, 70), Aeneadum genetrix (3072) aus Lucre- 
tius (I, 1) u. m. a.; theils ganze Distichen de), deren Lesart übrigens, obgleich 
die älteste auf uns gekommene, der in den Handschriften überlieferten keines- 
Wegs immer vorzuziehn ist, was sich sehr leicht daraus erklärt, dass diese 
Verse aus dem Gedächtniss gewiss nicht immer der Höchstgebildeten an- 
 
Bücheler, 
N. Rhein. 
Mus. 
XII , 
251 f.
        

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