Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876510
Dipinti. 
Gladiatorenlarogramme und Libelli. 
Miethanzeigen. 
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wir, dass es nicht nur in Rom, sondern auch in den Provinzen, so namentlich 
in Capua kaiserliche Gladiatorenschulen gab. Die capuaner Bande war von 
Iulius Caesar eingerichtet und ihre, auch in pompejaner Graffiti (z. B. 1182. 
1770) vorkommenden Glieder heißen Iuliani, sowie andere kaiserliche Gla- 
diatoren als Augustcmi (z. B. 1330. 1379. 1380) bezeichnet sind. Ob aber die 
Mitglieder der kaiserlichen Banden in Pompeji gekämpft haben, oder 0b die 
Graffiti Erinnerungen an in Rom oder etwa in Capua gesehene Kämpfe 
enthalten, muss dahinstehn. Dasselbe gilt von einem angeblich, nicht gewiss 
in Pompeji gefundenen, jetzt im Museum von Neapel bewahrten Graffito 
(2508), welcher ein interessantes Beispiel eines s. g. Zibellus gladiatorizes ent- 
hält, d. h. des Programms eines Gladiatorenkampfes oder der vom Festgeber 
geordneten Verzeichnisse der zum Kampfe bestimmten Gladiatorenpaare, 
welche vielfach abgeschrieben, in den Straßen verkauft, ja nach auswärts ver- 
sandt wurden. Der hier in Rede stehende libellus, bezüglich auf zwei Kämpfe, 
in denen in Pompeji sonst nicht nachweisbare Kampfarten vorkommen f), oder 
genauer gesprochen, "das in ihm copirte Original scheint vor den Spielen auf- 
geschrieben und nachher mit der Bezeichnung der Sieger (Vßctorj) und Be- 
siegten (Mßssusj) versehn worden zu sein, woraus es sich am einfachsten 
erklärt, dass der Sieger nicht immer vor dem Besiegten genannt ist, wie dies 
in allen dergleichen Schriftstücken der Fall zu sein pflegt"). Auf andere 
Graffiti mit Erinnerungen an das Amphitheater und Nachklängen aus den 
dortigen Kämpfen wird weiterhin zurückgekommen werden. 
Was neben den YVahlprogrammen und Gladiatorenanzeigen noch von 
Dipinti an den Wänden von Pompeji vorkommt, trägt durchaus den Charakter 
des Einzelnen. _Die schon früher (oben S. 379) mitgetheilte Anzeige am Gast- 
hause nZum Elephantena und die oben (s. 465) angeführte griechische Inschrift 
aus der Strada degli Olconj können hier kaum zählen, zu ihnen gesellt sich 
zunächst noch folgende Inschrift. Der Besitzer der Casa di Sirico, Strada delle 
terme Stabiane No. 16, offenbar ein Kaufmann, in dessen Schwelle, wie seines 
Ortes ( S. 321) erwähnt, in Mosaik die Worte Salve Zucrußn] nsei gegrüßt, Ge- 
Winlm eingelegt sind, welche in dem Lucrum gaudium (nGeivinn ist Freudea) 
auf dem Rand eines Impluviums Reg. VI, 14, 39 ihre Parallele finden, hat 
seiner Hausthür gegenüber an die Wand unter einem Paar ganz riesenmäßiger 
Schlangen mit großen rothen Buchstaben anmalen lassen (813): 
Otiosis Zocus lzic non est, discede morator. 
(nHier ist kein Ort für Nichtsthuer, hinweg Müßiggängerß) Eher lassen sich 
als eine Classe öffentlicher Kundgebungen, obgleich nur durch zwei Exemplare 
vertreten, die Vermiethungsanzeigen anführen. Die eine verloren gegangene 
und in der Überlieferung an mehr als einem Punkte nicht ganz verlässliche 
(138) lautet: 
INSVLA  ARRIANA 
POLLIANA  CN  ALLEI  NIGIDI  MAI 
ü) Mit Wahrscheinlichkeit lassen sich folgende Bezeichnungen von Kämpfern 
fern: Threx, Mirmillo, Oplomachus, Essedarius, Dimachaerus. 
a") U. I. L. a. a. O. p. 163.  
entzif-
        

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