Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876473
Dipinti. 
Besonderheiten der Wahlempfehlungen. 
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berechtigten, dessen Namen genannt werden, mit der Formel fac oder fac 
facias (nmache M), einzelne Male auch fave (426) (nbegünstigea) wendet, wovon 
die neueren Ausgrabungen mehre Beispiele geliefert haben. So liest man: 
Modestum aedßlem] Pansßa] fqcfacias (1071) oder Cuspi fac Fadium aedßlem] 
(1068) oder [Postlmnium Modesium Sirice fac facias (805) (also: Pansa oder 
Cuspius  d. i. desselben Pansa bekannter Geschlechtsname  oder Siricus 
mache, zum Aedilen den Modestus oder Fadius) u. s. w. Ein besonders merk- 
würdiges Beispiel ist: Sabinum aedililem) Procule fac et ille te faciet (635) f) 
(nPTOCUlIlS, mache den Sabinus zum Aedilen, und er wird dich [seinerseits 
dazu] machena). Mit großer Wahrscheinlichkeit ist angenommen worden H), 
dass in diesen Fällen die Inschriften sich an die Besitzer der Häuser wenden, 
an deren WVände neben der Haus- und Hinterthür die Aufforderung gemalt 
ist, Wonach denn freilich das Haus des Pansa sich als ein ganz anderes heraus; 
stellt, alsdasjenige, welches populärerweise mit diesem Namen belegt ist. 
Die bisher besprochenen Abwandelungen sind nun freilich nicht die ein- 
zigen, welche die Wahlempfehlungen aufzuweisen haben. Zunächst müssen 
wir die mannichfaltigen Lobsprüche und Anpreisungen hervorheben, welche 
bald in einzelnen Buchstaben, deren Sinn bei ihrer unzählbar häufigen Wieder- 
holung jeder alte Wähler verstand wie wir ihn verstehn, bald ganz ausgeschrie- 
ben den Namen der Candidaten hinzugefügt werden Der allerhäufigste 
Lobspruch ist V  B d. i. virum bonum; er war so gewöhnlich, dass Seneca 
schrieb: omnes candidatos viros bonos dicimzzs (alle Candidaten nennen wir 
vortreffliche Männer), demnächst folgt ein digmes, dzlgnissimus est (er ist würdig, 
sehr würdig), dignus rei publicae (würdig der öffentlichen Beamtung), probissi- 
mus und verecundissinzus (Ehrenmann); durch: iuvenis integer, innocuus, frugi, 
egregius (junger Mann von gutem Ruf), bonus civis (guter Bürger), omni bono 
meritus (in jeder Weise verdient), auch M0 aerarium conservalzitxffx) (wird 
sparsam Wirthschaften) u. dgl. m. setzen sich diese Lobsprüche fort, welche 
sich gelegentlich verdoppeln und verdreifachen, mit einem cupidissime rogat 
(bittet aufls dringendste) des Schreibers verbinden und so bis zu beträchtlichem 
Schwung und Nachdruck anwachsen können. In allen diesen Fällen aber 
bleibt die Verhandlung zwischen den pompejaner Wahlberechtigten und den 
einzelnen Einwohnern, welche auf die Wahlen einen Einfluss zu gewinnen 
und dem sie so oder so ein Gewicht zu verleihen suchen. Nur in ein paar ein- 
zelnen Fällen, welche besondere Beachtung verdienen, finden wir eine, man 
kann nicht sagen Einmischung, wohl aber Hineinziehung einer höhern Auto- 
rität in den Wahlkampf der Colonie. Schon früher ist eine Inschrift zu Tage 
gekommen (668), welche einen Iulius Simplex zur Aedilität empfiehlt und in 
deren einzelnen Buchstaben V  A- S man die Worte votis Augusti suscepizls 
und in diesen eine Hiuweisung auf den NVunsch des Kaisers selbst ver- 
Vgl. Procuule Frontoni tuo officium commorla. N0. 920. 
Vgl. Kiessling im Bull. d. Inst. 1862, p. 94, Fiorelli im Giorn. d. scav. 
Vgl- C- I- L. Imiex p. 253 sq. vcandidatorzam laudew. 
Ephem. epigr. I, 52.  
fase. 15,
        

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