Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876458
Dipinti 
Wahlempfehlungen. 
Gewerbe und Zünfte in Pompeji. 
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derjenigen gelenkt werden sollte, welche eben ihn in einer dieser obrigkeit- 
lichen Stellungen zu sehn wünschten. Denn keineswegs sind es die in den 
Wahlcomitien stimmberechtigten Bürger selbst, oder nur sie, von denen diese 
Wahlempfehlungen ausgegangen sind, im Gegentheil finden wir unter denen, 
welche sie angeschrieben haben oder haben anschreiben lassen, außer nicht 
wenigen, welche sich Clienten der Empfohlenen nennen, was an sich wohl 
nichts beweisen würde, Weiber, Kinder und Sclaven oder Freigelassene, kurz 
Leute, welche mit den Wahlabstimmungen gewiss nichts zu thun und selbst 
keine Stimmen abzugeben hattenä"). 
Die gewöhnliche, einfache aber vollständige Form dieser Wahlempfeh- 
lungen ist diese: sie enthält 1. den Namen des Empfohlenen, 2. das Amt, zu 
dem er empfohlen wird, und 3. den Namen dessen oder deren, von denen die 
Empfehlung ausgeht, mit der Formel: Orat Vos Faciatis (nbittet Euch, dass 
Ihr macht, wählte), welche gewöhnlich nur mit den Anfangsbuchstaben O V F 
und zwar mit diesen in einer Sigle (zusammengezogen) geschrieben ist, und 
deren richtige Auflösung und Erklärung sich erst in neuerer Zeit durch die 
Auffindung einiger ganz ausgeschriebenen Beispiele hat feststellen lassenH). 
Früher wurde sie stark missverstanden, indem man die Buchstaben O V F 
ergänzte: Omt Vt Faveat (nbittet, dass er gewogen seia) und darin die An- 
rufung des Patrons durch einen Clienten, eines Reichen und Angesehenen 
durch Arme und Hilfsbedürftige zu erkennen meinte, woraus man sodann weiter 
folgerte, diese Anrufungen möchten wohl an den Häusern der angerufenen 
Patrone gestanden haben. Dieser falschen Ansicht verdanken, wie schon 
früher im Vorbeigehn erinnert worden ist (S. 269), die Häuser des Modestus, 
des Pansa, des Sallustius, des Pomponius, des Iulius Polybius u. a. m. ihre 
populären, aber ohne Frage ihnen nicht zukommenden Namen. Eine ganz 
normale, einfache Wahlempfehlung würde dem Gesagten nach z. B. folgender- 
maßen abgefasst sein: M. Holconium Priscum duumvirum iuri dicundo orat vos 
faciatis Philzppus. Aber diese Formel ist keineswegs die alleinige oder auch 
nur überwiegend häufige, sie wird im Gegentheil sehr vielfach abgeändert und 
erweitert WM). Unter den Abänderungen ist die geringfiigigste, wenn statt 
omt das gleichgeltende rogat oder petit gesetzt wird, oder wenn statt der Bitte : 
omt vosfaciatis die einfache Aufforderung: facite steht, wobei nicht selten der 
Name des Auffordernden weggelassen wird, auf den es ja in der That weniger 
ankam, als auf denjenigen des Empfohlenen, auf welchen die öffentliche Auf- 
merksamkeit gelenkt werden sollte. Setzt der Empfehlende seinen Namen 
hinzu, so geschieht das wohl meistens, weil er glaubt, damit seiner Empfeh- 
lung irgendwelchen Nachdruck zu geben. Dies wird namentlich gelten, wenn 
eine geschlossene Mehrzahl von Personen, eine Zunft oder eine Bruderschaft 
die Empfehlung ausspricht. 
Solchen Inschriften verdanken wir zugleich ein kleines Verzeichniss von 
Gewerben und Gewerken, Zünften und Collegien (Bruderschaften) in Pompeji, 
 
151 sq.
        

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