Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876437
Alter und Masse der lateinischen Inschriften. 
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nicht mit Sicherheit zu deutende Reste erhalten, nichts aber von den bei- 
geschrieben gewesenen Versen i")  
Die überwiegende Masse der angemalten sowohl wie der eingekratzten 
Inschriften ist lateinisch, und zwar stammen Wiederum die meisten aus beiden 
Classen unzweifelhaft aus der Zeit kurz vor der Verschiittung, also aus der 
letzten Periode Pompejis. Allerdings lassen sich nicht ganz wenige dipinti bis 
in die Zeit des Bundesgenossenkrieges hinaufdatiren, und beweisen neben den 
Steinschriften, dass schon" damals die Geschaftssprache in Pompeji lateinisch 
war. Diese älteren Inschriften die), welche zum Theil erst durch das Abfallen 
der sie verhüllenden Tiinche späterer Perioden zum Vorschein gekommen 
sind, stehn mit oskischen Inschriften gemischt auf den soliden Tuffpilastern 
der älteren Bauwerke Pompejis, nicht auf dem Stucco, mit welchem in der 
letzten Periode Alles überzogen worden ist; sie unterscheiden sich in den 
Buchstabenformen, in den Namen, in orthographischen und grammatischen 
Archaismen von denen der jiingern Zeit. Von Graffiti ist das älteste Beispiel 
eine Inschrift in der Basilika (1842), welche bis in das Jahr der Stadt 676 
(78 v. u. Z.) hinaufgeht, Dipinti zeigen die Daten 707 urb. (47 v. u. Z.)  
708 urb. (46 v. u. Z.)  751 (3 v. u. Z.) (2450), 771 (17 n. Chr.) (1552), 
andere die Jahre 18, 19, 21, 25, 29, 37, 47, 58 n. Chr., noch andere weisen 
durch sprachliche Arehaismen auf eine frühere Periode hin 7M); aber die große 
Masse der auf den Stucco gemalten und in denselben eingekratzten Dipinti und 
Graffiti gehört, wie gesagt, der letzten Periode der Stadt nach dem Erdbeben 
von 63 an, und grade diese eröffnen uns einen überaus interessanten Blick in 
das Leben und Treiben der antiken Stadt, welches durch die Verschiittung 
abgeschnitten wurde. 
Über die Sitte oder Unsitte die Mauern und Wände öifentlicher und pri- 
vater Gebäude zu beschreiben haben wir reichliche Zeugnisse in den Schriften 
der Alten; in welcher erstaunlichen Ausdehnung man aber derselben huldigte, 
hat uns so recht deutlich erst Pompeji gezeigt, wo an gewissen Orten eines 
besonders lebhaften Verkehrs, in der Basilika, im gewölbten Theatergang und 
im Amphitheater die Masse der Schreibereien so groß ist, dass sie schon den 
Alten den an den drei genannten Orten bis auf kleine Abweichungen überein- 
stimmend eingekratzten Vers (1904. 2461. 2487) äkmex) eingab: 
Admiror paries te mm cecidisse ruinis, 
Qui tot scrzßtorum taedia sustineas. 
(Wand, ich wundere mich, dass du nicht hinsinkest in Trümmer, 
Die du zu tragen verdammt so vieler Hände Geschmier.) 
Beide Classen, die Dipinti sowohl wie die Graffiti gehn so recht unmittel- 
i) Vgl. zu dem Ganzen Dilthey in den Ann. d. Inst. 1876, p. 294 sqq. mit dem Facsi- 
mile tav. dhgg. P und die Abbildungen in den Monumenti Vol. X, tav. 35 u. 36. 
M") Vgl. Mommsen, Unterital. Diall. S. 116. 
la's") Bücheler a. a. O. S. 247. 
lakakl) Hr. Prof. Zangemeister theilte mir dazu folgenrle naive Parallele vom Palatin mit;. 
da steht unter vielen Inschriften, größer als alle anderen: 
nolloi rrollöc Ertäygatprzrl, 371d) yäuoy 05b: ärdäygarprz. 
(Viele schrieben hier vieles, nur ich habe nichts hier geschrieben.) 
30 a"
        

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