Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876403
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Sechstes Capitel. 
Zeugnisse des Verkehrs und des Lebens nach Inschriften. 
1856, wenn auch nicht facsimilirt, leicht zugänglich sind. Nachträge neuer- 
dings aufgefundener, wie z. B. die WVegebauinschrift aus dem Stabianer Thor 
(s. S. 59 und Anm. 25), die Inschrift an der Sonnenuhr aus den größeren 
Thermen (s. S. 219 und S. 460) u. a., hat das Bulletino arclaeologico Napoli- 
tano, welches als Italiano leider! mit dem zweiten Jahrgange zu erscheinen 
aufgehört hat, nach ihm das Giomale degli scavi di Pompei gebracht und 
bringen seitdem die Notizie degli scavi di antichitd (in den Schriften der 
R. Accademia dei Lincez") und das Bulletino unseres archäologischen Instituts 
in Rom. 
Was zweitens die griechische Sprache anlangt, so scheint es nach Maß- 
gabe der Inschriften, dass dieselbe in Pompeji nicht so verbreitet gewesen ist, 
wie man nach anderen Spuren griechischer Bildung und Kunst glauben sollte. 
Allerdings ist Griechisch in den Schulen ohne allen Zweifel gelehrt worden, 
und wenn nichts Anderes, Würden die gar nicht selten in die Wände ein- 
gekratzten griechischen Alphabete dies beweisen. Diese rühren von Kindern 
her, welche sie auf ihrem Wege in die Schule und aus der Schule in die Wände 
eingekritzelt haben, wo wir sie meistens, wenn nicht durchgängig, zwei bis 
drei Fuß über dem Boden, also auf der Höhe finden, welche den Kleinen am 
bequemsten war. Hier sind sie in einfacher Folge a ß 7 d u. s. w. angeschrie- 
ben, theils vollständig, theils auch unvollständig, von links nach rechts und 
auch von rechts nach links ö), e nachdem Zeit, Geduld und Wissen des kleinen 
Schreibers ausreichten. Hier sei denn auch gleich angeführt, dass sich in 
ähnlicher Weise auch das lateinische Alphabet nicht selten findet, einzelne 
Male wohl noch aus republikanischer Zeit stammend und mit dem X schließend 
(2514 sqq.) kt), in anderen Fällen so, dass der Schreiber von vorn und von 
hinten anfangend die ersten und die letzten Buchstaben abwechselnd setzte: 
so: AXB V C u. s. w. oder A B V C T D S E R F I Q, was vielleicht auf eine 
Manier in den Schulen, das Alphabet in und außer der Reihe zu lehren, 
schließen lässt (2541 p. 176). Auch die gelegentlich in Grafiiti vorkommenden 
grammatischen (Declinations-) Übungen WM) finden wohl am besten an diesem 
Orte ihre Erwähnung.  Die übrigen griechischen Inschriften außer den 
erwähnten Alphabeten sind von geringem Belange, die eingehauenen ganz 
selten; die angemalten und eingekratzten bieten meistens nur Namen, theils 
einzelne, theils in größeren Folgen, von denen abgesehn werden kann-I"), 
hier und da, echt griechischer, aus den Vaseninschriften überaus bekannter 
Sitte entsprechend, mit einem rühmenden xocldg nSChÖnK oder iischön ista ver- 
bunden, aber meistens mit lateinischen Buchstaben geschrieben: calos Her- 
mems 7 calos Paris u. s. w.  Ein besonderes Interesse bietet es, dass im 
Tablinum des Hauses des Bankiers L. Caecilius Iucundus der Anfang eines 
 
ä) Corp. Inscr. Lat. a. a. O. p. 164. 
ä") Vgl. Bücheler N. Rhein. Mus. XII, S. 246 f. Ritschl, Priscae Latinifatis monumenta 
cpigraphica, tab. 17, N0. 24. 
äki") Garrucci Taf. 17 N0. 1 und 4, Taf. 26 N0, 26, 
 Vgl. Bücheler a. a. O. S. 248 f. 
5-14) Bücheler'a. a. O. und Mommsen N. Rh. Mus. V, S. 462.
        

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