Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876392
Pomp ej aner 
oskische und griechische Inschriften. 
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aus diesen Urkunden für die Baugesohichte der Stadt entnehmen können, ist 
seines Orts benutzt worden, darauf also hier nicht zurückzukommen. 
Anders verhält es sich mit den beiden anderen Classen der pompejaner 
Inschriften, den an die Wände öffentlicher und privater Gebäude mit bald 
rother, bald schwarzer Farbe angemalten (dzjainti) 195), in einzelnen Fällen mit 
Kohle angeschriebenen, und den ebendaselbst außen und im Innern in den 
Stucco eingekratzten (graßfti) 197). Allerdings sind auch diese nicht einzig in 
ihrer Art; man hat, abgesehn von der Schwesterstadt Herculaneum, auch sonst 
noch angemalte, so gilt wie eingekratzte Inschriften, zum Theil  es seien 
nur die Ausgrabungen am Palatin in Rom erwähntx)  in beträchtlicher 
Anzahl und von nicht geringem Interesse aufgefunden. Allein schon ihrer 
bloßen Zahl nach nehmen die pompejaner (lipinti und grajßti einen l1ervor- 
ragenden Platz ein, und ihrem Inhalte nach verdienen sie die eingehendste 
Betrachtung in eben so hohem Grade wie irgend welche anderen. 
Einer solchen Betrachtung sind nun freilich in einem Buche, wie dieses 
ist, sehr enge Grenzen gezogen, und zwar nicht allein aus äußerlichen und 
räumlichen Gründen. Mit einer bloßen Sammlung dieser Inschriften oder der 
Wiedergabe und Ergänzung der von Anderen gemachten Sammlungen, von 
der ohnehin gewisse, hier nicht näher zu bezeichnende Theile ausgeschlossen 
bleiben müssten, welche sich zur Mittheilung an ein nicht-gelehrtes Publikum 
nicht eignen, mit einer solchen Sammlung würde einem nicht gelehrten Leser- 
kreise gewiss sehr wenig gedient sein; ausführliche Erklärungen und Erörte- 
rungen  und nicht Wenige dieser Inschriften erheischen solche  würden 
wahrscheinlich den meisten Lesern dieses Buches auch sehr wenig willkommen 
sein. Und somit bleibt nichts übrig, als eine ausgewählte Zusammenstellung 
solcher dzßinti und grajßti, welche, sei es an und für sich verständlich, sei es 
durch eine beigefügte Übersetzung und ein paar kurze erläuternde Bemerkun- 
gen allgemein verständlich zu machen sind. Die durchgängige Hinzufügung 
einer Übersetzung, so mannichfaltige Schwierigkeiten dieselbe bieten mochte, 
wurde für Pflicht erachtet; mögen die hier angedeuteten Gesichtspunkte von 
einer billigen Beurteilung dessen, was gegeben und nicht gegeben, auch wie 
es gegeben wüd, erwogenwerden. 
Ehe wir auf die dipinti und gmfßti näher eingehn, muss in Betreff aller 
pompejanischen Inschriften bemerkt werden, dass in denselben die drei 
Sprachen erscheinen, welche nach einander und wohl auch neben einander in 
Pompeji gesprochen worden sind: die oskische, die griechische und die latei- 
nische. Die oskischen Inschriften, jedenfalls in ihrem Hauptbestande die 
ältesten, aus der Zeit der Autonomie Pompejis vor dem Bundesgenossenkriege 
und der Gründung der sullanischen Colonie (88 V. u. Z.) stammenden, müssen 
hier ganz bei Seite bleiben ; wer sie sucht, findet sie in ihrem Hauptbestande 
gesammelt und erläutert in Mommsens Unteritalischen Dialekten S. 185-189 
und in Fiorellis Monumente: epigraplziccz Pompeiana Heft 1, in denen sie in 
erster Ausgabe 1854 in Facsimiles in der originalen Größe, freilich für den 
Preis von 150 lire, publicirt sind, während sie in einer zweiten Ausgabe in 80. 
 
Garrueci, Graffiti de Bompei etc. 
Paris 1856.
        

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