Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876242
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Fünftes Capitel. 
spricht, so dass auch die erstere Scale kleinere, die andere größere Werthe und 
Verschiedenheiten bietet. S0 zierlich diese Gerathe an sich schon sind, hat 
doch das im Verzieren nie müde werdende Alterthum noch auf Gewichte und 
WVagschalen besondern Fleiß verwendet; die Gewichte erscheinen in der ein- 
fachsten Form als Eicheln oder kleine Vasen (N0. 4 und 5), häufiger aber noch 
als Köpfe von Göttern oder Menschemso in N0. 3 als Satyrbüste, in N0. 1 und 
2 als weibliche, wie es scheint Porträtköpfe. Bei anderen Wagen sind Mer- 
curs-, auch Bakchusköpfe oder Kaiserköpfe, sowie sonstige Menschenbilder als 
Gewichte verwendet. Von der Ornamentirung der Wagschalen ist rechts in 
der Abbildung ein einfaches Beispiel mit concentrischen Doppelkreisen und 
ein schmuckvolleres mitgetheilt, welches einen mit einem Bock ringenden 
Satyrn in Relief in seiner Mitte zeigt. 
Dass man in Pompeji neben diesen Desemern auch gewöhnliche zweischa- 
lige YVagen kannte, braucht kaum besonders erwähnt zu werden; eine Samm- 
lung von dergleichen liegt im Museum von Neapel in einem Glasschranke 
zusammen, in welchem sich auch eine größere Schalenwage an einem eigenen 
Gestell befindet. Dieses besteht aus zwei, oben durch einen Bogen, an welchem 
der YVagebalken hängt, geschlossenen Pfeilern, welche auf einer breiten Grund- 
lage stehn; das ganze, etwa 0,50 M. hohe Geräth von streng architektonischem 
Charakter besteht aus Bronze. Abgeb. b. Niccolini, Lc case ecc. Descr. gen. tav. 2. 
Hier mag ein weiteres Stück seinen Platz finden, welches aus den Gebieten 
von Küche und Keller stammt, in denen wir uns jetzt bewegen, eine Laterne 
Fig. 246. Die Veranlassung zum Gebrauch von Laternen liegt bei der früher 
beschriebenen Beschaffenheit der an- 
4 I tiken Lampen, die jeder irgend leb- 
4  - haftere Windzu verlöschen musste 
"e  G!) (1,1 i? 6') so nahe, dass dailüber nichts zu sagen 
  lila,   l i", ist; nur das sei bemerkt, dass, weil 
, i   g" ' "3 Laternen fast überall vorkommen, wo 
 7   l .2 im Freien Beleuchtung geschafft wer- 
f   Ü) (E) 1" "g den sollte, 1hr Gebrauch ein sehr aus- 
  ä 1 mmijf gebreiteter sowohl im Privatleben wie 
l l  l [l im Heer- und Seewesen war, und dass 
I, ,l l   die Laternen aus verschiedenen Mate- 
igilzdim  J    rialien, Holz, Bronze, Tholl, vielleicht 
 i? auch edlen Metallen veifertigt und 
Fig. 246. Laterne aus Bronze mit Glas, geöltem Leinen oder Dorn, 
 Blasen, Häuten, je nach Bediirfniss ge- 
 schlossen wurden, sowie sie auch vier- 
eckig u11d cylindrisch, wie das hier ausgewählte Beispiel aus Ilerculaneum, vor- 
kommen. Die Abbildung zeigt diese Laterne in der Ansicht 1 bei geschlossenem 
und im Dllrchßßhnitt 2 bei aufgezogenem Deckel. Hierzu ist noch zu bemerken, 
dass der Boden und der Obere Rand, auf welchem der Deckel ruht, nur durch die 
zwei Stützen verbunden wird, welche die Zeichnung darstellt, in deren Ringen 
die Kette zum Tragen befestigt ist, und deren wir eine in grader Ansicht bei 3 
finden; sodann sei darauf hingewiesen, dass, wie aus der Zeichnung ebenfalls
        

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