Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871473
Andeutungen über die Geschichte der Wiederentdeckung Pompejis, 
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Über das Schicksal der überlebenden Bevölkerung der verschütteten Stadt 
sind wir nicht genauer unterrichtet. Sichere Spuren an mehr als einem 
Orte weisen darauf hin, dass, vielleicht bald nach der Verschüttung begin- 
nend und wer kann sagen wie lange fortgesetzt, nicht unbeträchtliche Nach- 
grabungen gemacht worden- sind, um dem Grabe der Stadt an Schätzen und 
an kostbaren Werkstücken zu entziehn, was etwa noch zu erlangen war. 
A11 sehr vielen Orten sind auch wirklich Baumaterialien, namentlich Marmor- 
Stücke und Marmortafeln, ja ganze Säulen und Reihen von Säulen und Gebälk 
gehoben worden, und die verhältnissmäßig immerhin geringe Zahl nicht allein 
von Werken der Sculptur, sondern auch von Kostbarkeiten, sowie das wenige 
Geld, welches in Pompeji gefunden ist, zeigt, dass die Ausbeute dieser früheren 
Grabungen nicht gering war. Bei der Lockerheit der V erschüttung ist dies 
auch recht Wohl begreiflich, besonders da wir, wie gesagt, gar nicht bestimmen 
können, wie lange dort gewühlt worden sein mag. Sind doch selbst in dem tief 
verschütteten Herculaneum Ausgrabungen vorgenommen worden: man hat 
dort mühsam gehauene Gange gefunden, durch welche manches schätzbare 
Kunstwerk entfernt worden sein mag 11)  
Der Kaiser Titus fasste den Plan, die zerstörten Städte wieder herstellen 
zu lassen, beauftragte zwei römische Senatoren mit einer Rundreise und Durch- 
musterung der verwüsteten Plätze und besuchte sie nach einer Nachricht auch 
selbst. WVas für Pompeji das Ergebniss gewesen sei, ist unbekannt. Der Name 
Pompejis soll auf ein in der Gegend der alten Stadt gegründetes Dorf über- 
gegangen sein, welches aber im Jahre 472 n. Chr. das Schicksal des ältern 
Pompeji erlitt 12), und dessen Trümmer unter dem Landvolke den Namen Za 
Oivitä erhielten, wieAltpompeji noch viele Jahre lang (den 27. November 1756 
kommt der Name Pompeji zuerst vor, aber la Civita kehrt noch in den 60er 
Jahren wieder) in den Ausgrabungstagebüchern heißt. Jedenfalls blieb das 
alte Pompeji verschwunden, der größte Theil der Bewohner mag sich zerstreut 
oder nach der Hauptstadt gezogen haben; Alles was der Boden und die bald 
auf demselben wnchernde Vegetation deckte, gerieth nach und nach mit Pom- 
pejis Namen in völlige Vergessenheit. 
Viertes Capitel. 
Andeutungen über die Geschichte der Wiederentdeckung und der 
Ausgrabungen Pompejis. 
Diese Vergessenheit dauerte bis zum Jahre 1748, Wo, 30 Jahre nach der 
ersten, unbenutzten Entdeckung Herculaneums, und zehn Jahre, nachdem 
man dort zu graben angefangen hatte, ein Zufall auf Pompejis Wiederauffin- 
dung leitete. Dies ist um so bemerkenswerther, als die Verschüttete Stadt als 
solche eigentlich nie ganz unkenntlich gewesen sein kann, und namentlich 
das Amphitheater deutlich genug als eine kraterförmige Vertiefung im Boden 
sich zu erkennen gab. Wenn wir aber die Nichtbeachtung dieser Anzeichen 
daraus erklären können, dass der Name und die Existenz Pompejis in den
        

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