Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876233
Erster Abschnitt. 
Mobilien, Geräthe und Gefäße. 
Wagen. 
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stehende nur kleine Kanne sicher dem Gebrauche in den Zimmern des Herrn 
oder seiner Familie an, wenn dieselbe nicht vielleicht noch Yornehmerer Be- 
stimmung, dem Tempeldienste gewidmet war. Die eigenthiimliche Form lernt 
man erst dann ganz würdigen, wenn man das Geräith in der Hand hält und 
bemerkt wie genau man die Menge der auszugießenden Flüssigkeit in seiner 
Gewalt hat. Man nimmt das Gefäß für eine Weinkanne. Ob die andere rechts 
stehende gleichen Zweck hatte, wie man nach ihrem bakchischen Ornament, 
namentlich dem ausdrucksvoll modellirten Satyrkopfe, aus dem der Henkel ent- 
springt, schließen will, muss ungewiss bleiben; der weite Hals und der breite 
Ausguss lassen eher an eine Wasserkanne denken. Hier sei noch bemerkt, dass 
die Henkel der meisten Kannen sich an Schönheit ja Kunstwerth der Arbeit weit 
über die Schönheit der wenn auch äußerst zweckmäßig gestalteten Kannen selbst 
erheben; auch sind sie, die man häufig in größerer Zahl allein aufgefunden 
hat, ohne dass man dabei an die Zerstörung und den Verlust der zugehörigen 
Kannen zu denken hätte, die Producte anderer Hände als die Kannen, welche 
der gewöhnliche Kupferschmied anfertigte, der dann bei dem feinern Bronze- 
arbeiter den passenden und ihm oder seinem Auftraggeber gefallenden Henkel 
fertig kaufte oder bestellte und sei es durch Löthung, sei es durch Vernic- 
tung mit dem Körper seines Gefäßes verband. 
Recht sinnreich ist die Einrichtung der zierlichen Schnellwagen oder 
Desemer, welche in Pompeji gäng und gebe waren, wie sie es noch heute in 
Italien sind, und von denen Fig. 245 etliche Probestücke bietet. Das einfache 
Princip dieser Geräthe ist 
wie bei unseren Deci- (Q ' 
malwagen das der un- Ü) .   5' (Öle 19m   Q Q 
gleichen Schenkel, an i?    1er) 
dem kürzern hangt der ß 2 z  fit k,   u 
zu wägende Gegenstand, ,    l   
an dem längern wird das      
in allen Fällen gleich QQF   ,  J  
bleibende Gewicht auf      
einer Scale bald näher    5     
an den Aufhängungs- [f 4    j "    
punkt, bald entfernter       
von demselben gerückt. l  Ä    4, 
Einige dieser Wagen (2,  A2 ixv i 
47 5) haben nur Haken, Fig, 245. Schnellwagen.  
an denen der zu wägende 
Gegenstand aufgehängt wurde, andere bieten nur eine Schale, in welche man 
denselben legte, bei noch anderen, wie den Nummern 1 und 3, Enden sich Schale 
und Haken verbunden. Bei diesen und ähnlich bei N0. 2 findet man zwei 
merkbar verschiedene Aufhängungspunkte für den zu wägenden Gegenstand, 
den einen ferner vom Schwerpunkte des Wagebalkens, den andern näher an 
demselben. Bei diesen Wagen aber ist auch eine doppelte Scale auf beide 
Seiten des langen Schenkels eingegraben, von denen die eine dem äußern, die 
andere dem innern Aufhängungspunkte des zu wägenden Gegenstandes ent-
        

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