Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876225
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Fünftes Capitel. 
Die Kannen, von denen die Figuren 243 und 244 Proben darstellen, 
gehören zu den am mannichfaltigsten gebrauchten und demgemäß gestalteten 
Geräthen des Alterthums. Schon bei uns giebt es eine Reihe von verschieden 
verwendeten und verschieden gestalteten Kannen von der YVaschkanne bis 
zum Sahnekännchen hinab, im Alterthum aber mussten Kannen außerdem fast 
      
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Fig. 2143. Kannen von Bronze. 
allen den Zwecken dienen, für Welche wir Caraffen und Flaschen verwenden, 
woraus sich ihre viel größere Mannichfaltigkeit leicht begreifen lässt. Ein ein- 
gänglicheres Studium der sehr verschiedenen Formen antiker Kannen, als es 
hier bei der Fülle zu betrachtender Gegenstände möglich ist, ist mehr als 
manches Andere geeignet, uns ein Bild von dem praktischen Sinn der Alten 
zu geben, mit welchem sie ihre Gerathe dem Gebrauch gemäß und für diesen 
bequem gestalteten; denn nach der Größe und Weite des Bauches, des Halses, 
des Ausgusses, nach der Gestalt und Lage des Henkels läßt sich in den mei- 
sten Fällen der Gebrauch errathen. In Fig. 243 darf N0. 1 vermöge seines 
dünnen röhrenartigen Ausgusses wohl für eine Ölkanne gehalten werden, mit 
der man das Öl in das Mittelloch der Lampen natürlich in feinem Strahle goss. 
N0. 2 und 4 gelten für jene kleinen Wasserkannen, aus denen man bei Tisch 
den Gästen nach jedem Gange die Hände begoss, damit sie dieselben in einem 
untergehaltenen Becken wuschen. Die größere Kanne N0. 3 in der Mitte darf 
man als eine Weinkanne betrachten. Ihre etwas seltsame Verzierung ist aus 
dem Thierreich entnommen; auf dem 
  -e' „ Rande sitzt, als oberer Griff zum Tra- 
,rs  y gen des Gefäßes bestimmt, ein Adler 
   auf seiner Beute, einem "Reh, den 
  '  l, eigentlichen untern, beim Einsehen- 
 k  ken in der Hand ruhenden Griff bildet 
   der obere Theil eines Schwanes oder 
 wyiä, f f einer Gans, welche sich zum Fluge 
 ' zu erheben im Begriff ist. Wie be- 
  quem beide Griffe in die Hand fallen, 
Fig. 244. Kannen von 131mm, kann man freilich nicht an der Zeich- 
Dung, sondern nur am Original wahr- 
nehmen. Der ehemalige Gebrauch der letzten schlichten Kanne N0. 5 mag dahin- 
Stehn: Sie wird aus der Küche stammen. Dagegen gehört die links in Fig. 244
        

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