Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876143
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Fünftes Capitel. 
von diesem als regelmäßig zu betrachtenden Schema sind bei allen drei Tlieilen 
mannichfaltig genug, um eine etwas genauere Betrachtung zu rechtfertigen. 
Im Fuße sind die Verschiedenheiten nicht so bedeutend wie im Knauf. Zu- 
nächst werden (lurchgängig drei Stützpunkte festgehalten, welche selten durch 
andere Glieder als Thierfiiße dargestellt werden. Am häufigsten sind Löwen- 
klauen verwandt, seltener die Hufe grasfressender Thiere, wie in c Fig. 234, 
noch seltener Pilanzentheile, namentlich Baumwurzeln. Pflanzentheile werden 
dagegen meistens in verschiedenem Grade des Reichthums zur Verbindung 
der drei Thierfiiße verwendet, {ein Beispiel ihres Fehlens sieht man bei dem 
Candelaber a, ein anderes bei demjenigen c, bei dem sie einem praktischen 
Bedürfniss weichen mussten, das überhaupt zum Nachtheil der Form in diesem 
Candelaber durchherrscbt. Sehr zierlich dagegen ist das püanzliche Ornament 
mit dem thierischen in dem Candelaberfuß verbunden, von dem e eine Ober- 
ansicht bietet, einfacher in dem Fuß des Candelabers b, sehr reich und pracht- 
voll dagegen i11 dem bei f in der Seitenansicht mitgetheilten Candelaberfuß. 
Die so gestalteten Füße lassen nun den Schaft des Candelabers entweder un- 
mittelbar aus ihrer Mitte emporschießen, oder sie sind mit einer Scheibe, 
einem Teller (Diskos) bedeckt, aus dessen Mitte sich der Schaft erhebt. Ein 
Beispiel eines solchen Fußes zeigt in der Seitenansicht der Candelaber a, ein 
anderes in der Oberansicht derjenige d, ein drittes, aber nicht mustergiltiges 
Beispiel der Candelaber c. Es ist wohl einleuchtend, dass die Candelaberfiiße 
ohne Deckplatte den Vorzug verdienen, weil aus ihnen der Schaft am meisten 
organisch entspringt, doch lässt sich nicht läugnen, dass wieder die Platte der 
Kunst des Ciseleurs den schönsten Anlass zu getriebenen, eingeritzten und 
eingelegten Ornamenten (Damascenerarbeit) darbot, und dass diese Gelegen- 
heit in geistreicher WVeise benutzt ist. Verwandt init dieser Art von Füßen, 
aber am wenigsten inustergiltig sind diejenigen, von welchen l eine Probe ist, 
und bei denen sich die Platte in ein {lach glockenförmiges Glied verwandelt 
hat, dem der Ausdruck des Emporhebens fast ganz abgeht. YVesentlich ab- 
weichend von der Form dieser bronzenen Candelaber sind diejenigen der 
großen marmornen, von denen eine Reihe von Prachtexemplaren auf uns ge- 
kommen ist. Bei ihnen ist der Fuß dem Material gemäß massiver, als ein 
dreiseitiger Altar auf niedrigen Löwenfußen gestaltet, dessen drei Flächen mit 
bedeutungsvollen Reliefen verziert wurden. Und ebenso ist der Stamm dicker: 
entweder als Stengel oder Stamm mit Blättern behandelt, wie in g oder mit 
Relief oder auch von fast rund herausgearbeiteten Figuren umgeben, endlich 
die Platte gelegentlich zur Aufnahme einer größern Fackel oder eines sonstigen 
Feuers ausgeweitet. Doch kann hierauf nicht näher eingegangen werden, da 
in Pompeji dergleichen Geräth nicht vorkommt. 
Der Schaft der bronzenen Candelaber ist in der überwiegenden Mehrzahl 
der Falle eine schlanke cannelirte Säule, seltener eine nicht cannelirte wie 
in dem Candelaber c und dem, dessen Fuß bei l abgebildet ist, noch seltener 
als Baumstamm gestaltet wie der Schaft bei g. Mit dem Fuße verbindet den 
Schaft eine leichte Basis, welche in der Mehrzahl der Fälle, am musterhaftesten 
bei dem Candelaberfuße bei f aus mehren Reihen Von Blättern mit leichtem 
Überfall besteht, gleichsam den Wurzelblättern des schlanken Blüthenstieles.
        

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