Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876109
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Fünftes Oapitel. 
neben dem Silcnskopf, hinter dem ein kleiner Griff angebracht ist. Unteri 
folgt ein kleines, aber sehr anmuthig und reich gestaltetes Bronzelampchen 
in der Oberansicht, dem weiterhin unter Z: ein anderes in der Seitenansicht 
beigefügt ist, während bei l und bei m zwei jener nicht seltenen Lampen 
abgebildet sind, welche bei sehr einfach gestaltetem Körper einen mehr oder 
weniger reich, hier im einen Falle durch einen kräftig modellirten Löwenkopf, 
im andern durch einen Pferdekopf geschmückten Griff zeigen. Außer dem 
Körper und dem Griff der Lampe bietet nun besonders noch der Deckel oder 
der Deekelknopf des Ölbehälters Gelegenheit zu kunstreicher Gestaltung, 
wovon o ein Beispiel ist. Hier steht auf dem Deckel ein leichtgegürteter 
Jüngling, der sich im vollen Laufe gleichsam nach einem mit ihm um die 
Wette laufenden umblickt, und der zugleich als Halter des Hakchens dient, 
mit dem man den Docht stocherte. Ein ungleich anmuthigeres Beispiel eines 
sehr gefällig gestalteten und durchweg mit großem Geschmack verzierten 
Dimyxos finden wir bei p. Hier stellt der Deckelknopf eines jener allerliebsten 
Genrebilder der antiken Plastik dar, welche noch immer nicht gehörig zu- 
sammengestellt und gewürdigt sind, ein Flügelknabchen, das mit einer Gans 
ringt, an deren Fuß zugleich das Kettehen hangt, mit welchem der Deckel an 
den Griff befestigt ist. Den Grundgedanken der kleinen Gruppe bietet ein 
Werk des Boethos, Welches Plinins anführt, und welches auch in Marmor 
nachgebildet auf uns gekommen ist. Eine ziemlich reich verzierte größere 
dreiarmige Hängelampe ist mit q bezeichnet, und endlich sind unter r, s, t und 
u vier Lampen von besonderer Form zusammengestellt, welche beweisen, dass 
der Geschmack in der Gestaltung dieser Geriithe grade nicht immer sich auf 
gleicher Höhe hielt. Die Abbildung 1" zeigt eine dreiflammige Lampe, bei der 
für die zweite und dritte Flamme ein Nebenlampchen dem Körper der Haupt- 
lampe unorganisch genug angeflickt ist, s eine schiffartig geformte vielflam- 
mige Lampe, t eine Lampe in Form eines menschlichen Kopfes, bei dem die 
abnehmbaren Haare als Ölöffnung und der maskenartig verzerrte Mund für 
den Docht diente, endlich u eine ähnliche Lampe in Maskenform in drei An- 
sichten. Diese Spielerei kommt in ähnlicher WVeise ziemlich häufig vor, 
während, ungleich sinniger, auch die Form des Schneckenhauses, indem dieses 
umgekehrt aufgehängt wurde, nicht selten zu Lampen verwendet worden ist. 
Doch nun zurück zu den Candelabern, zu deren Würdigung diese Ab- 
schweifung in der Besprechung der pompejanischen Gerathe nothwendig war, 
um die Zwecke der Candelaber deutlich zu machen. Die Durchmusterung der 
Lampen hat gezeigt, dass die meisten zum Hinstellen eingerichtet sind; das 
Hinstellen konnte nun freilich wohl auf den bloßen Tisch erfolgen, aber in 
diesem Falle wäre die Flamme so niedrig gewesen, dass ihr Licht sich nur auf 
einen kleinen Kreis erstreckt haben würde. Man musste also Untersetzer für 
die Lampen haben, welche man auf den Tisch stellen konnte, und diese Unter- 
setzer erscheinen entweder in Form niedriger Tischchen oder Dreifüße, oder 
als die der einen Hauptclasse der Candelaber, welche etwa einen Fuß bis 
anderthalb hoch sind. Aber nicht allein auf den Tisch wollte man Lampen 
stellen, es galt viel häufiger die Erleuchtung des ganzen Zimmers. Wollte 
man nicht Hangelampen verwenden, so musste man höhere Stände fiii- die
        

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