Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876098
Erster Abschnitt. 
Mobilien, Geräthe und Gefäße. 
Lampen. 
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will, oder auch mit vorhergehendem OF., d. h. 036mm, Fabrik, z. B. OF- 
ATlMETI, Fabrik des Atimetus.- Die Lämpchen a und b vergegenwärtigen, 
wie gesagt, die gewöhnliche Grundform, welche wir noch vielfach, aber doch 
nicht so ausschließlich Wieder finden werden, dass daneben nicht andere, zum 
Theil verwandte Formen vorkäimen. Als Beispiel einer solchen diene das 
Lämpchen c, bei dem die Tülle als runde Spitze Verlängert und der Griff seit- 
wärts angebracht ist. Auf ihr erscheint nun auch zuerst einer jener figürlichen, 
fast den ganzen Kreis darstellbarer Gegenstände umfassenden Verzierungen, 
welche insbesondere eine fast vollständige und sehr mannichfaltige mytholo- 
gische Folge enthalten und in welcher eines der wesentlichsten Interessen der 
antiken Lampen liegt. Auf diesem Lämpchen ist ein kampfbereit stehender 
Gladiator in flachem Relief angebracht, wogegen das in gewöhnlicher Weise 
gestaltete Lämpchen d ein pahnettenartiges Ornament zeigt, in dessen Mitte 
das Ölloch durehgebohrt ist. Unter e ist ein in mehrem Betracht interessantes 
Beispiel einer bilyclanis von Bronze in der Oberansicht mitgetheilt, welche sich 
von der in der Folge noch vorzufindenden gewöhnlichsten Form der zweiflam- 
migen Lampen dadurch unterscheidet, dass bei ihr die Tiillen einander gegen- 
über liegen, anstatt wie gewöhnlich neben einander. Der Grund hierfür ist 
darin zu suchen, dass diese Lampe zum Hängen an Kettchen bestimmt war, 
welche in die als Haken behandelten ornamentalen Gänseköpfe auf den Tiillen 
eingehängt wurden. Eine ganz besondere WVichtigkeit erhält diese im Übrigen 
sehr einfache Doppellampe dadurch, dass sie die erste war, in deren Tülle 
man, wie später bei mehren anderen, den Docht steckend fand, wie dies die 
Abbildung zeigt. Dieser antike Docht besteht aus gehecheltem, aber nicht 
gesponnenem Flachs, der zu einer Art von Strick zusammengedreht ist, und 
verdankt seine Erhaltung der Berührung mit dem Metall, einem Umstande, 
der auch sonst noch manchen leicht zerstörbaren Gegenstand in Pompeji hat 
auffinden lassen, wie z. B. leinene Geldbeutel, das wollene Futter von Bronze- 
helmen u. dgl. m. Einen reicher verzierten bronzenen Dimyxos der gewöhn- 
lichen Form stellt dar: sein Griff ist als Adler gestaltet und auf der Decke 
seines Ölbehälters, aus dem die beiden Lichttüllen neben einander entspringen, 
ist die Büste einer Luna vor der Mondsichel ausgetrieben, welche zugleich als 
ein Beispiel dieser mythischen Darstellungen dienen mag, und bei der auf die 
nach damaliger Sitte als Perücke gestaltete Haartracht aufmerksam gemacht 
werden möge. Ehe zu weit in der aufsteigenden Entwickelung der V er- 
zierungen fortgeschritten wird, sind ein paar an sich einfache vielllammige 
Lampen g, I: zu betrachten, von denen die erstere sehr deutlich den Übergang 
der gewöhnlichen Form mit neben einander stehenden Lichttüllen zu der 
kreisförmigen Stellung der Flammen zeigt, welche sich bei der zweiten Lampe 
k findet. Bei ihr ist der mit dem Kranze verzierte Theil der Ölbehälter, das 
Loch zum Eingießen liegt rechts, das kleine Loch für die Luft nach vorn. 
Dadurch, dass dies nur einmal, nicht aber bei edem Flammenloch vorhanden 
ist, wird sein angegebener Zweck recht deutlich. Ein anderes Beispiel einer 
ringförmigen Hängelampe mit mehr Verzierung ist mit n a und ß bezeichnet; 
die drei nach innen stehenden Zapfen sind durchbohrt und in ihnen waren die 
Ketten zum Aufhängen befestigt. Die Löcher zum Öleingießen sieht man oben 
Overbeck , Pompeji. 4. Auß. 28
        

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