Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876063
430 
Fünftes Capitel. 
zener Verzierung erhalten, und in sie sind die vier Füße eingezapft. Ein ver- 
wandter Gebrauch der Dreifiiße zum Schmucke des Speisesaales ist schon 
homerisch und für Pompeji wird er mit dadurch bestätigt, dass diese Mobilien 
nicht in der Küche, sondern in Wohnräumlichkeiten aufgefunden sind. Von 
den beiden mitgetheilten Proben von Dreifüßen zeichnet sich das eine a, 
welches aus dem Isistempel stammt und dem Cultus diente, durch große 
Zierlichkeit und reichen Schmuck aus, während das andere 6 durch eine Vor- 
richtung zum Höher- und Niedrigerstellen interessant ist, welches sich bei 
dem Vierfuß wiederholt. Die Beine sind oben in Gelenkbändern beweglich, 
und die ebenfalls beweglichen Querstäbe enden in einen Ring, der an einem 
Metallstab an den Beinen herauf und hinunterläuft, so dass vermöge dieser 
Vorrichtung der Dreifuß bei breiter Auseinanderstelluxig der Füße um 1], der 
Höhe seiner Beine erniedrigt, bei engerer Fußstellung um so viel erhöht 
werden kann. Angesichts aller dieser und vieler anderen antiken Tische kann 
die Bemerkung nicht unterdrückt werden, wie viel reiner der Geschmack der 
Alten war, als der moderne, indem sie allen Schmuck auf die Füße und auf 
die Kante des Blattes verwendeten, nicht aber wie es seit der Renaissance 
geschieht, auf die Fläche dieses letztern, Welche zum Bestellen oder Belegen 
bestimmt ist, und auf der das Ornament verschwindet oder für das Auge 
wenigstens unterbrochen Wird, sobald der Tisch seinen Zweck erfüllt, irgend 
Etwas zu tragen.   
Auch dürfte hier der Ort sein, die Bemerkung einzuschalten, zu der die 
neueren Ausgrabungen die Unterlage geliefert haben, dass nämlich, mag der 
größte Theil der pompejaner Mobilien an Ort und Stelle oder in den benach- 
barten Städten gearbeitet worden sein, man prächtigere Stücke weiterher, ja 
aus der Hauptstadt selbst bezog. Den Beweis liefert ein im Localmuseum von 
Pompeji aufbewahrtes Plättchen von Bronze, welches nebst verschiedenen 
Ornamenten, unter denen zwei jugendliche gehörnte Dionysosköpfe hervor- 
treten, zum Beschlag eines Mobiliarstückes von Holz diente und die Inschrift 
C  CALPVRNIIVS  ROMAE  li'(ec-it) tragt. 
Dass außer den zum eigentlichen Mobiliar des Wohnhauses gehörenden 
Tischen sich deren in jedem Haushalt, in Küchen, Anrichtozimmern, Bäcke- 
reien u. s. w. und in vielen Läden und Werkstätten noch manche andere zu 
verschiedenem Gebrauche bestimmte Tische fanden, versteht sich so ganz von 
selbst, dass es kaum erwähnt zu werden braucht, und auch dass diese Tische, 
seien sie von Holz, seien sie gemauert und mit hölzernen oder steinernen 
Platten je nach dem Bedürfniss belegt, immer ganz einfach und praktisch 
waren, lässt sich nach den Beispielen, die wir in den Häusern vorgefunden 
haben, nicht bestreiten. 
Einen wichtigen Platz unter dem Hausrath nehmen die Candelaber 
ein, Wichtig sowohl in praktischem wie in decorativem und künstlerischem 
Betracht. Von keiner Art antiker Mobilien ist in Pompeji eine so große Zahl 
und eine so große Mannichfaltigkeit aufgefunden worden, wie von Candela- 
bern, und in Wenigen anderen zeigt sich die unermüdliche und unerschöpfliche 
Erfindungsgabe der Alten so glänzend und erstaunlich, wie in diesen Geräthen. 
Über die Candelaber kann man nicht reden, ohne einige Worte über die antike
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.