Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1876010
Erster Abschnitt. 
Mobilien, 
Geräthe und Gefäße. 
Bettgestelle. 
Sitze. 
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wurden die Matratzen oder Decken und Kissen gebreitet. Dass im Schlaf- 
zimmer und in seinem Procoeton, wo ein solches vorhanden war, noch einige 
andere Mobilien, Sitze, Waschtische und Kleiderkisten, sowie dergleichen für 
Kostbarkeiten, die man in den innersten Gemachern verwahrte, gestanden 
haben, ist natürlich anzunehmen, obgleich von denselben nichts vorgefunden 
ist, ausgenommen den gemauerten WVaschtisch im halbrunden Cubiculum der 
Villa des Diomedes (S. 372). An den WVänden sind sehr häufig die Löcher 
gefunden werden, in denen Bretter befestigt waren. Die nicht selten in ver- 
schiedenen Räumen der Häuser in Resten aufgefundenen großen Kisten 
bezeichnet man wohl mit Unrecht durch die Bank als Geldkasten; es mögen 
auch ganz andere Dinge, namentlich Kleidungsstücke in ihnen bewahrt 
worden sein. Die Scharniere von solchen Kisten und wohl auch anderen 
Mobilien, wurden gewöhnlich aus Knochen und zwar aus jenen in unüber- 
sehbarer Zahl aufgefundenen Knochenröhren gebildet, welche man früher als 
Flötenstücke bezeichnete, und deren wirkliche Bestimmung erst neuerlich 
nachgewiesen ist, wie sie denn auch bei einem neu hergestellten Modell eines 
kleinen Kastens im Localmuseum an der porta della marina in praktische An- 
wendung gebracht worden sind191). Zwei besonders schöne Exemplare erz- 
beschlagener Kisten, welche den neueren Ausgrabungen verdankt werden, stehn 
im Museum zu Neapel in dem letzten Bronzezimmer, wo auch die beiden gleich 
zu erwähnenden Speisesophas aufbewahrt werden. Ihr Schmuckwerk ist so 
reich und fein, dass ihre Darstellung in diesem Buch in Holzschnitt oder 
Lithographie nicht wohl möglich gewesen ist. 
Besser erhalten sind uns die Mobiliargegcnstände der WVohn- und Esszim- 
mer, welche in Sitzen und Stühlen bestehn. Die antiken Sitze, Stühle und 
S essel sind uns in Malereien in anmuthigster und reichster Mannichfaltigkeit 
überliefert, so dass wir eine lange Reihe von Formen in denselben verfolgen 
können. Diese beginnen bei dem einfachen lehnelosen Klappstuhl, dessen 
Beine in der Regel als Thierbeine gestaltet, dessen Sitz aus einem Stück Leder, 
Leinen oder Wollenzeug über Gurten gebildet ist, treten sodann als feste 
Sessel mit vier in leichter Säulenform gestalteten Füßen und gradem Sitzbrett 
und als eben solche mit ausgerundetem Sitz auf; ihnen folgen Klappstühle 
mit schräge zuriickliegender Lehne, Welche gerundet und oben geschweift dem 
Körper die bequemste Stütze bieten musste, die man sich denken kann. End- 
lich um nur die Hauptformen anzuführen, da das Eingehn auf das Einzelne 
in's Endlose führen würde, schließen sich die s. g. Throne (solia), die eigent- 
lichen Arnistühle mit hoher und grader Lehne, weitem, von Armstützen 
begrenztem Sitz an, welche als die Sitze von Göttern und vornehmen Personen 
vorkommen. Die Bisellien, über deren Bedeutung bereits gesprochen ist, 
mögen der Vollständigkeit wegen noch einmal erwähnt Werden. Von dem 
ganzen Reichthum dieser Formen ist in Wirklichkeit in Pompeji nur sehr 
wenig gefunden; dass Holz begreiflicher Weise grade für Stühle und Sessel 
das Hauptmaterial war, hat deren Untergang bedingt. Von gewöhnlichen 
lehnelosen Sitzen seien als Beispiele die beiden in Fig. 226 folgenden von 
Bronze angeführt, der eine in perspectivischer, der andere in geometrischer 
Ansicht von zwei Seiten gezeichnet. Die geschmackvolle Art der einfachen
        

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