Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1871438
Die Verschüttung Pompejis. 
mit dem übereinstimmen, was z. B. ein Mazois als sicher überliefert, als mit dem 
was heutzutage sich bei den meisten Auftindungen von Gerippen wiederholt.  
Die Lagen, in denen die armen Verschiitteten starben, sind meistens erkenn- 
bar, und eben so erkennbar ist, dass die meisten den Erstickungstod, Andere 
durch Hunger gestorben sind. S0 z. B. derjenige, von dessen Auflindung in 
einem gewölbten Raume des Hauses reg. VII, ins. 14, n. 9 die nebenstehende, 
aus Mazoisl großem Werke entlehnte Abbildung (Fig. 4) eine Vorstellung giebt. 
Ein ungleich höheres Interesse als die Gerippe nehmen sieben ziemlich 
vollständige Leichenabgüsse in Anspruch, welche, in dem neuen Local- 
museum im Flügel des s. g. Seethores gleich neben dem gewöhnlichen 
Eingang in die Stadt aufbewahrt, ein Hauptaugenmerk aller Besucher Pom- 
pejis ausmachen, und von denen unzählbare Photographien verbreitet sind. 
Mit diesen Abgüssen, von deren dreien, einem riesig großen Manne (Fig. 5), 
einer Frau und einem neben derselben liegenden sehr jungen Mädchen hier- 
nächst (Fig. 6) nach Photographien gefertigte Abbildungen mitgetheilt werden, 
verhält es sich folgendermaßen. Die vier Personen, um die es sich zunächst 
handelt, hatten auf ihrer Flucht, offenbar dem Forum und weiterhin einem 
Thore zustrebend die Masse der an der Fundstelle 31]? Meter dick gefallenen 
Lapilli überwunden, und suchten durch dieselben watend weiter zu kommen, 
als der Aschenregen begann 11')  Dieser hemmte ihre weitere Flucht, sie sanken 
auf die Unterlage der Lapilli nieder und wurden von der Aschenschicht ein- 
gehüllt und begraben, und zwar so, dass diese feine, schlammartige Materie sie 
allerseits dicht umgab und erhartend ihre Körper nebst der Bekleidung ab- 
formte, ungefähr so wie in ähnlicher Materie das oben erwähnte Mädchen in 
der Villa des Diomedes abgeformt und theilweise erhalten ist. Indem nun die 
Körper und Gewänder im Laufe der 1800 Jahre bis zur Auffindung in Staub 
zerfielen, wurden durch die Natur gleichsam fertige Hohlformen hergestellt, 
in deren Innerem nur die Gerippe vollständig erhalten sind. Als nun die Ar- 
beiter bei der Ausgrabung an der auf dem großen Plane mit 7'- bezeichneten 
Stelle in dem s. g. vicolo de! tempio di Augusto oder 0600 degli sclzeletri am 
 Febr. 1863 auf die erste dieser Hohlformen mit darin steckenden Knochen 
stießen, wurde Fiorelli herbeigeholt, dessen kluger und vorsichtiger Gewandt- 
heit wir den seltenen und werthvollen Anblick verdanken. Derselbe ließ 
nämlich die gefundene Hohlform und nach einander die später gefundenen 
mit Gyps ausgießen und dann die Form zerstören. Und so feierten zuerst 
diese vier unglücklichen Pompejaner, später noch drei andere, ihre Auferste- 
hung im Gypsabguss, der freilich an Feinheit und Schärfe gegen einen aus 
künstlicher Hohlform gemachten weit zurücksteht, der aber dennoch hinläng- 
lich genau ist, um nicht allein die Situation des Todes, und die wesentlichen 
Formen der Körper, sondern selbst manche Einzelheit dieser Formen: der 
Gewänder und des übrigens sehr geringfügigen Schmuckes erkennen zu lassen. 
Der  wie das Maß des in unserer Abbildung daneben stehenden pompejaner 
Führers in der Tracht der sechziger Jahre zeigt  riesig große Mann liegt auf 
dem Rücken, auf den er sich im Todeskampfe gewälzt zu haben scheint, wobei 
er sein kurzes Gewand krampfhaft emporgezogen hat. Er soll nach der Ansicht 
Sachverständiger am Schlag gestorben sein. Eine nähere Beschreibung des-
        

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