Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875818
Dritter Abschnitt. 
Die Gräber und Grabdenkmäler. 
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dass dieselbe ohne Beziehung auf ein Grab zur Bequemlichkeit der Vor- 
übergehenden angelegt worden ist. In der That ist sie ein gar ange- 
nehmer Sitz, theils Wegen der Aussicht auf die schönen gegenüberliegenden 
Monumente und über dieselben hinaus auf das prachtvolle Gebirge, theils 
weil derselbe vermöge einer einfach sinnigen Einrichtung im Winter YVärme, 
im Sommer Schatten gewährte. Die Öffnung der Nische liegt nämlich fast 
genau gegen Süden (SSWV), und die Nische selbst ist so tief, dass die hoch- 
stehende Sommersonne, wie in der Abbildung Fig. 203, den Schatten der 
Wölbung auf die Bank im Hintergründe Wirft, während sie bei tieferem 
Stande im Winter ungehindert die Nische mit ihren warmen Strahlen erfüllen 
kann. Die Stuckornamentik der Nische ist bizarr; namentlich gilt dies von 
den Pilastern, Welche die Öffnung einfassen, und welche in einer Doppel- 
stellung über einander ohne trennende Balken aus einander hervorspringen. 
Die nur an der Wölbung jetzt zerstörte Malerei im Innern ist einfach und ge- 
fällig. Wie aus älteren Abbildungen (Mus. Borb. XV, tav. 25 ; Mazois I, pl. 34", 
und Nachrichten ersichtlich, war in der Wölbung eine fast die ganze Halb- 
kuppel einnehmende Muschel in Weiß gemalt, während die ringsum übrig 
bleibenden Theile des Grundes blau waren; auf den rothen Wandfeldern sind 
in natürlichen Farben kleine Thiere gemalt, während von den dieselben tren- 
nenden schwarzen Streifen oder Pfeilern das leichte Ornament sich goldfarbig 
abhebt. In das Giebelfeld der Nische ist eine kleine aber unbeschriebene 
Gedenktafel eingelassen. 
Wir wenden uns jetzt zur Betrachtung einer etwas jüngern Gruppe von 
Gräbern, (lenjenigen, welche auf der Höhe zwischen den beiden in einiger 
Entfernung vom Thor sich theilenden Straßen und am Fuß derselben liegen, 
1_10. IIier ist bei 1 die 1774 aufgedeckte Grabstatte der Familie des M. 
Arrius Diomedes, gegenüber der Villa subwbana, welche eben deshalb gewöhn- 
lich als wVilla des Diomedesa bezeichnet wird. 
Auf einem gemeinsamen, durch eine Treppe bei dem Grabe 5 zu erstei- 
genden Unterbau von opus incertum erheben sich mehre Denkmäler ; zunächst, 
von Norden (links) beginnend, zwei kleine Cippen in Hermenform, welche nach 
ihren Inschriften I. R. N. 2357. 2358; C.I.L. X, 1044. 1045) die Ruhestätten 
Zweier Mitglieder der Familie des Diomedes bezeichnen. Dann folgt das Haupt- 
monument in Form eines zweistiuligen Tempelchens mit jetzt nicht mehr 
erhaltenem flachen Giebel; der Vorderwand hat man die Form einer geschlos- 
senen Doppelthür gegeben, auf der zwei Fasces mit den Beilen die höhere 
obrigkeitliche oder priesterliche iVürtle des Gründers dieser Grabstatte be- 
zeichnen. Aus der über der Doppelthür eingelassenen Inschrift in Marmor 
ÄR. N 2355; C. I. L. X, 1042) lernen wir, dass M. Arrius Diomedes, Freige- 
lassener der Arria,  Magister der Vorstadt Augustus Felix, dies Grab für sich 
und die Seinigen erbaut hat. Unterhalb dieses Grabes ist in den Unterbau, 
der Straße zugewandt, eine Tuffplatte eingelassen mit der Inschrift Arriae .M. 
f. Diomedes Mibertus) sibi suis (auf der Abbildung Fig. 204 sichtbar), welche 
besagt, dass Arrius Diomedes hier für Seine ehemalige Herrin (patrona) Arria, 
für sich und die Seinigen eine Ruhestatte gegründet hat. Ohne Zweifel haben 
wir das Grab der Arria in dem in unserer Abbildung theilweise sichtbaren
        

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