Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875729
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Viertes Capitel. 
urkunde abgefasst wurde. Bei Privatgräbern dagegen wurde die Grabschrift 
außen, der Straße zugewendet angebracht, wie man dies in Pompeji an einer 
Fülle von Beispielen sehn kann; Wenn nun schließlich noch bemerkt wird, 
dass die Grabmäler in der Regel mit einer das Areal bezeichnenden Mauer 
eingehegt waren, so dürfte Alles vorausbemerkt sein, was zum Verständniss 
der folgenden Einzelbetrachtung und zur Vermeidung von Wliederholungen 
nöthig erscheint; vieles Einzelne wird man am besten den Monumenten gegen- 
über kennen lernen. 
Der wichtigste und am vollständigsten bekannte Begräbnissplatz in Pom- 
peji ist die s. g. Gräberstraße vor dem Hereulaner Thor, es ist aber in mehr 
als einer Beziehung werth hervorgehoben zu werden, dass man auch vor an- 
deren Thoren der Stadt Gräber gefunden hat, so vor dem von Nola, vor dem 
Seethor174) und angeblich auch vor dem Stabianer Thore 175)  Doch Verdienen 
von diesen nur die Gräber vor dem Nolaner Thor eine kurze Erwähnung. 
Offenbar befand sich hier ein Begrähnissplatz armer Leute, denen es nicht 
möglich war, eine eigene Grabstätte zu erwerben. Ihnen gestattete man, ihre 
Todten am Fuße der Stadtmauer, im städtischen Boden (im Pomerium) zu 
begraben. Den Ort bezeichneten sie theils dadurch, dass sie den Namen des 
Bestatteten in die Steine der Stadtmauern eingruben, theils durch Aufstellung 
der weiterhin zu erwähnenden kleinen Cippen in Hermenform; ein solcher 
Cippus, sowie Aschen- und Knochenreste wurden in der Nähe der erwähnten 
Inschriften gefunden 176)   Wenden wir uns jetzt zur Betrachtung der Gräber 
vor dem Herculaner Thor. 
Schon lange bevor in römischer Zeit die stattlichen Monumente zu beiden 
Seiten der Straße entstanden, begruben hier in viel anspruchsloserer Weise 
die Osker ihre Todten. Da wo sich kurz vor der s. g. Villa des Diomedes 
rechts für den von der Stadt her Kommenden eine Straße abzweigt, sind 
rechts an dieser Straße neuerdings einige ihrer Gräber, namentlich von Leuten 
geringen Standes, aufgedeckt worden: zwei derselben sind auf unserm Plan 
angegeben. Dieselben bestehen aus sargartigen Kasten aus Kalkstein, und 
zwar zum Theil aus Quadern, zum Theil aus kleineren Steinen, und waren mit" 
Erde bedeckt. In ihnen fand man die Gerippe der unverbrannten Leichen 
(während die Gräber der römischen Zeit durchweg zur Beizetzung der Asche 
bestimmt sind) und viel kleines bemaltes Thongeschirr nolanischer Fabrik, 
während im übrigen bemalte Vasen in Pompeji nicht gefunden werden; ferner 
2 Kupfermünzen mit oskischer Aufschrift, von denen man vermuthet, dass sie 
in Nola geprägt sind. Für eine genaue Zeitbestimmung fehlt es an Anhalts- 
punkten; vermuthlieh aber gehören diese Gräber in's zweite oder dritte Jahr- 
lltlndert v. Chr. In der sie bedeckenden Erde haben dann in der Kaiserzeit 
arme Leute die Asche ihrer Todten beigesetzt: man fand daselbst Thongefäße 
mit verbrannten Knochen und Münzen der genannten Periode. Ob diese dicht 
gereihten einfachen Gräber auch über der Erde einzeln kenntlich waren, 
wissen wir nicht; wahrscheinlich war es nicht der Fall; wenigstens hat man 
keine zu ihnen gehörigen Cippen gefunden 177)  
Eigentliche Grabmonumente entstanden hier erst in römischer Zeit, und 
zwar, wie es scheint, von den ersten Zeiten der Colonie an. Ein Blick auf
        

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