Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Pompeji in seinen Gebäuden, Alterthümern und Kunstwerken
Person:
Overbeck, Johannes Mau, August
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1870574
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1875714
Dritter Abschnitt. 
Die Gräber und Grabdenkmäler. 
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derer Luxus und eine wunderbare Pracht in den Grabmonumenten entfaltet 
wurde und namentlich die Grabmäler der Kaiser zu so kolossalen Bauwerken 
erweitert wurden, dass sie mit den Gräbern der Pharaonen, den aegyptischen 
Pyramiden, wetteifern können, und dass, wie inänniglich bekannt, z. B. eines, 
das Grabmal Hadrians, in späterer Zeit zu einer eigenen Festung, der be- 
rühmten Engelsburg umgewandelt werden konnte. 
Über die Sitten der Bestattung in Rom und der römisch gebildeten WVelt 
sei nur das gesagt173), dass, während in der ältesten Zeit die Beerdigung des 
unverbrairnten Leichnams Sitte gewesen sein soll, welche in einzelnen Fami- 
lien beibehalten wurde, und von der auch in Pompeji Beispiele vorliegen, in 
der historisch bekannten Zeit das Verbrennen der Todten der allgemeinere 
Gebrauch war und erst in der spätem Zeit, namentlich unter den Antoninen, 
mehr und mehr wieder dem Beisetzen der unverbrannten Körper in Särgen 
und Sarkophagen wich, einer Sitte, der wir einen eigenen reichen Kreis von 
Kunstwerken, eine Kunstwelt fiir sich, in den Sarkophagreliefen verdanken. 
Verbrannt wurden die Leichen auf Scheiterhaufen, welche in einem eigenen, 
für diese bestimmten, meistens wohl ummauerten Raume errichtet wurden, 
welcher den Namen ustrinunz führte und, wie Insehriften beweisen, häufig mit 
dem Grabe verbunden war. In Pompeji können wir kein sicheres Beispiel eines 
ustrinum nachweisen. Nach der Verbrennung der Leichen wurden die Knochen 
gesammelt, mit Wein und Milch begossen, und nachdem sie wieder getrocknet 
waren, in eine Urne, sei es von Thon, sei es von Stein oder Glas oder Metall, 
nebst Spezereien, oft auch mit Flüssigkeiten, namentlich Wein und Öl gelegt. 
In mehren Urnen Pompejis fand man neben den Knochen auch Münzen, die 
jedoch in diesem Falle wohl nicht auf das Fahrgeld für Charon zu beziehn sind, 
welches man unverbrannt Beerdigten in den Mund zu stecken pflegte, sondern 
die man hier eher als Andenken, vielleicht auch als Merkmal des Datums der 
Bestattung zu betrachten hat. Die Urnen wurden im Innern der Grabmäler in 
Nischen aufgestellt, deren nur eine vorhanden war, wenn das Grab ein Einzel- 
denkmal sein sollte, deren jedoch mehre, oft sehr viele angebracht waren, 
wenn viele Urnen der Mitglieder einer Familie in einem gemeinsamen Grab- 
mal beigesetzt werden sollten. Bei großer Zahl der Urnen, welche namentlich 
dadurch stark anwachsen konnte, dass manches Familienhaupt, außer für sich 
und die Seinen, auch für seine Freigelassenen Raum in dem Grabe haben 
wollte, half man sich durch Steinbänke, welche die Mauern des Grabes innen 
unter den Nischen uingaben, und auf welche man die Urnen hinstellte. 
YVuchsen solche gemeinsame Grabmäler einer Familie oder auch einer Corpo- 
ration zu einer beträchtlichem Zahl von Nischen in den Wänden an, so nannte 
man sie columbaria, Wegen ihrer Ähnlichkeit mit Taubenschlägen. In den 
öffentlichen großen Grabmälern in Rom hatte sich ein armer Sclave, der 
ein eigenes Grab nicht bezahlen konnte, eine Nische, olla genannt, für seine 
Urne zu kaufen, und diese ollae waren selbst Gegenstände von Geschenken, 
welche sich die Ärmeren unter einander machten, wie dies Inschriften be- 
weisen. Denn unterhalb der einzelnen olla wurde in diesem Falle eine kleine 
Inschrift angebracht, welche den Namen dessen enthielt, dessen Gebeine in 
der Urne lagen und welche im Schenkungsfalle zugleich als Schenkungs-
        

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